Ansprechpartner

Prof. Dr.  Nils Berkemeyer

Prof. Dr. Nils Berkemeyer Lehrstuhl für Schulpädagogik und Schulentwicklung an der Friedrich-Schiller-Universität Jena Telefon: 03641 9 45360 E-Mail

Prof. Dr.  Wilfried Bos

Prof. Dr. Wilfried Bos Institut für Schulentwicklungs-forschung (IFS) an der TU Dortmund Telefon: 0231 755-5500 E-Mail

Dr. Nicole Hollenbach-Biele

Dr. Nicole Hollenbach-Biele Bertelsmann Stiftung Telefon: 05241 8181 541 E-Mail

Häufige Fragen

Der Chancenspiegel verfolgt das Ziel, zentrale Befunde zur Chancengerechtigkeit der Schulsysteme in den 16 deutschen Bundesländern darzustellen. Er nimmt zu diesem Zweck unter Rückgriff auf verfügbare quantitative Daten der amtlichen Statistiken aus Bund und Ländern sowie aus Studien der empirischen Bildungsforschung besonders aussagekräftige Indikatoren in den Blick und will mit dem Fokus auf die Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen die Debatte um die Gerechtigkeit und Leistungsfähigkeit der Schulsysteme anregen. Der Chancenspiegel versteht sich als ein Beitrag zur Diskussion für die Fachwelt und für alle am Bildungssystem Beteiligten und Interessierten.

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Der Chancenspiegel ist ein gemeinsames Projekt der Bertelsmann Stiftung, des Instituts für Schulentwicklungsforschung (IFS) an der TU Dortmund und des Instituts für Erziehungswissenschaft der Friedrich-Schiller-Universität Jena (FSU). Das IFS und das IfE haben den Chancenspiegel wissenschaftlich (weiter-)entwickelt, die Auswertung der Daten vorgenommen und die ausführliche Publikation erstellt.

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Mit seinem Fokus auf die Chancengerechtigkeit und Leistungsfähigkeit der Schulsysteme stellt der Chancenspiegel eine Besonderheit in der deutschen Bildungsberichterstattung dar. Er ergänzt diese Berichterstattung um eine für den Zusammenhalt in der Gesellschaft zentrale Perspektive, die konsequent die Chancen von Kindern und Jugendlichen zum Bezugspunkt nimmt. Die Homepage www.chancen-spiegel.de bietet zudem grundsätzliche Eckdaten zu den Schulsystemen der Länder.

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Während andere Berichtsformate (z. B. der Nationale Bildungsbericht) umfassend über sämtliche Aspekte des Bildungssystems Auskunft geben, fokussiert der Chancenspiegel auf ein einzelnes zentrales Thema: die Chancengerechtigkeit der Schulsysteme Deutschlands. Dafür nutzt der Chancenspiegel Informationen aus anderen Bildungsberichten, aus den amtlichen Bundes- und Länderstatistiken und aus Schulleistungsstudien wie z. B. IGLU oder dem IQB Ländervergleich. Im Unterschied zu anderen Berichtssystemen spiegelt der Chancenspiegel diese Ergebnisse anhand wichtiger wissenschaftlich-theoretischer Überlegungen zur Gerechtigkeit von Schule.

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Der Chancenspiegel erscheint, nach 2012 und 2013 und 2014 im März 2017 zum vierten und letzten Mal. Die Daten des aktuell erschienenen Chancenspiegels basieren auf Zahlen, die bis Ende Oktober 2016 für die Schuljahre 2002/03 bis 2014/15 in der amtlichen Statistik und in vorliegenden Studien verfügbar waren.

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Der Chancenspiegel hat keine eigenen Daten erhoben. Er nutzt die Daten aus der amtlichen Bundes- und Länderstatistik sowie die Befunde aus Leistungsstudien wie PISA oder dem IQB Ländervergleich. Alle Daten wurden für den Chancenspiegel in Form von Ländergruppierungen neu aufbereitet. Für einzelne Fragestellungen wurden ergänzende Analysen vorgenommen, beispielsweise bei der Betrachtung von Ganztagsschulen und Schulleistung in der ausführlichen Publikation.

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Ja, einmalig beschäftigt sich der Chancenspiegel in seiner dritten Ausgabe (2014) intensiv mit den regionalen Unterschieden innerhalb der Bundesländer. Zu diesem Zweck werden Daten der statistischen Landesämter zu den Indikatoren der Dimensionen »Durchlässigkeit« und »Zertifikatsvergabe« einer Sekundäranalyse unterzogen. Kern des Chancenspiegels bleibt allerdings weiterhin die systematische Berichterstattung zum Stand und zu den Entwicklungen von Chancengerechtigkeit und Leistungsstärke der Schulsysteme auf der Ebene der Bundesländer und Deutschlands insgesamt.

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Die Schule stellt – neben weiteren wichtigen Bildungsabschnitten wie z. B. der frühkindlichen Bildung – einen wichtigen, vergleichsweise lang andauernden Abschnitt in der Bildungsbiographie dar, der zudem bedeutsam und richtungsweisend für das zukünftige berufliche Leben und die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen ist. Vor diesem Hintergrund erscheint es den Autoren des Chancenspiegels wichtig, die Institution Schule in den Blick zu nehmen. Schule soll gleichwohl nicht losgelöst von anderen Lebensbereichen verstanden werden, deshalb betrachtet der Chancenspiegel z. B. auch den Übergang von der Schule in die berufliche Bildung oder Hochschule.

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Der Chancenspiegel widmet sich der Frage, wie es um die Chancengerechtigkeit und Leistungsfähigkeit der deutschen Schulsysteme bestellt ist. Hierfür betrachtet er vier wesentliche Bereiche des Schulsystems: die Integrationskraft, die Durchlässigkeit, die Förderung von Kompetenzen und die Vergabe von Zertifikaten in Schulsystemen. Innerhalb dieser vier zentralen Dimensionen wird der Stand der Dinge in den 16 Bundesländern zu verschiedenen Themen datenbasiert dargelegt, z. B. zur Koppelung von Leistung und sozialer Herkunft, zu Klassenwiederholungen, zur inklusiven Beschulung von Kindern mit und ohne besonderen Förderbedarf, zur Beteiligung an Ganztagsschulen, zu Abgängern ohne Schulabschluss, zu den Anteilen von Schulabsolventen mit Hochschulreife.

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Der Chancenspiegel beschäftigt sich vor allem mit Chancengerechtigkeit. Darunter versteht er die faire Chance für jeden auf die Teilhabe an der Gesellschaft. Diese wird auch durch ein gerechtes Schulsystem, in dem kein Schüler zusätzliche Nachteile durch seine Herkunft erfährt, gewährleistet, und zwar durch die Förderung der Befähigung aller und durch die wechselseitige Anerkennung aller an der Schule beteiligten Personen. Dies versteht der Chancenspiegel als eine Mindestanforderung an eine chancengerechte Institution. Dass dies immer noch eine notwendige und anspruchsvolle Norm ist, zeigen z. B. die letzten IGLU-Befunde (2011), wonach in allen untersuchten Staaten ein Zusammenhang zwischen der Herkunft von Schülern und ihrem Kompetenzerwerb nachgewiesen wurde.

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Den theoretischen Hintergrund des Chancenspiegels bilden zum einen die derzeit aktuellen und zentralen Gerechtigkeitstheorien, so z. B. die Theorie der Gerechtigkeit als Fairness nach John Rawls, der Befähigungsansatz nach Amartya Sen und die Anerkennungstheorie nach Axel Honneth. Diese Gerechtigkeitstheorien werden im Chancenspiegel zum anderen mit den schultheoretischen Erkenntnissen von Helmut Fend verknüpft, um so die im Chancenspiegel betrachteten vier Dimensionen und die zugeordneten Indikatoren theoriebasiert auszuwählen.

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Der Chancenspiegel berichtet innerhalb der für das Schulsystem veranschlagten vier Dimensionen jeweils zu zentralen Indikatoren, die sich auch in anderen Berichtssystemen wiederfinden lassen. Manche Indikatoren konnten nicht berücksichtigt werden, weil die jeweilige Datengrundlage keinen Ländervergleich erlaubte oder sich für generelle Aussagen als zu unzuverlässig erwies. Für wieder andere Indikatoren lagen überhaupt keine Daten vor, auch wenn sie gut in den Chancenspiegel gepasst hätten. Zudem ist der Chancenspiegel kein statisches Instrument; er wird ständig weiterentwickelt. So sind seit der ersten Veröffentlichung einige neue Indikatoren in das Instrument aufgenommen worden. Andere konnten nicht fortgeschrieben werden, weil keine neuen Daten vorliegen (u.a. weil die Schulleistungsstudien nicht jährlich, sondern wie im Falle von IGLU in einem Abstand von fünf Jahren erscheinen).

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Der Chancenspiegel versteht die Leistungsfähigkeit als ein Element der Gerechtigkeitsfrage. Denn ein Bildungssystem, das leistungsfähig ist, ist chancengerecht, und nur ein chancengerechtes Bildungssystem ist leistungsfähig. Nicht umsonst behandelt der Chancenspiegel neben den Dimensionen Integrationskraft und Durchlässigkeit auch zwei explizite Leistungsdimensionen, die Kompetenzförderung und die Zertifikatsvergabe von Schulsystemen. Eine Beschränkung der Gerechtigkeitsfrage allein auf den Output eines Schulsystems hält der Chancenspiegel jedoch für verkürzt. Vielmehr ist in der Logik des Chancenspiegels die Gerechtigkeit der Schulsysteme auch unter der Einbeziehung von Prozessmerkmalen zu beurteilen (z. B. der Wiederholerquoten).

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In der Langfassung des Chancenspiegels werden innerhalb der Dimensionen oft mehrere Themen behandelt (insgesamt 24 Indikatoren). Für den Ländervergleich wurden jedoch pro Thema nur ausgewählte Indikatoren berücksichtigt. Einige Indikatoren konnten für einen Ländervergleich nicht verwendet werden, weil nicht zu allen 16 Bundesländern Daten vorlagen (so z. B. zum Zusammenhang von Migrationshintergrund und Kompetenzerwerb).

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Der Ländervergleich soll bezogen auf die vier zentralen Dimensionen des Chancenspiegels zum jeweiligen Stand des Schulsystems eines Landes im Vergleich mit den anderen Schulsystemen sensibilisieren. So werden Stärken, aber auch Schwächen der Schulsysteme im Hinblick auf ihre Gerechtigkeit deutlich: »Erfolgreichere« Bundesländer können anderen Wege weisen.

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Der Chancenspiegel möchte kein Einzelranking der Länder vornehmen und hat daher auch den Ländervergleich nur jeweils innerhalb der vier Dimensionen und Ländergruppen vorgenommen.

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Der Chancenspiegel interessiert sich vor allem für die oberen und unteren Ländergruppen – also die Länder, die im Vergleich mit anderen besonders erfolgreich sind, und die Länder, die im innerdeutschen Vergleich am schlechtesten abschneiden. Um diese obere und untere Gruppe systematisch durch den Chancenspiegel hinweg zu betrachten, wurden immer jeweils die oberen und unteren 25 Prozent der Länder in eine Gruppe eingeordnet (bei 16 Bundesländern also vier Länder in der oberen und vier Länder in der unteren Gruppe). Dazwischen liegt die Gruppe mittleren 50 Prozent, in der sich dann das Mittelfeld der Länder befindet. Eingeordnet wurden die Länder dabei nach erreichtem Einzelplatz je Indikator. Hatte ein Land auf Platz 5 denselben Wert wie das Land auf Platz 4, so wurde es ebenfalls in die obere Gruppe eingeordnet.

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Für den Ländervergleich wurden in einem ersten Schritt die erreichten Rangplätze der einzelnen Bundesländer in den Einzelindikatoren einer Dimension summiert (z. B. Land A hat den Platz 11 in der Amtsstatistik der Länder zur Ganztagsnutzung erhalten, dann bekam es 11 Punkte). Die daraus entstandenen Punktwerte je Bundesland wurden für jede der vier Dimensionen in eine Rangfolge gebracht. Entsprechend der Gruppierungslogik im Chancenspiegel konnten wiederum für jede Dimension die obere Ländergruppe (die besten 25 Prozent), die mittlere Ländergruppe (die mittleren 50 Prozent) und die untere Ländergruppe (die unteren 25 Prozent) ermittelt werden. Für den Fall gleicher Punktwerte der Länder auf den Plätzen vier und fünf wurde das fünfte Land ebenfalls der oberen Gruppe zugeordnet (dies ist zum Beispiel in der Dimension Integrationskraft der Fall).

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Der erste Chancenspiegel ist als Buch erschienen, in dem die theoretische Herleitung der Dimensionen, sämtliche Befunde und dazugehörige wissenschaftliche Diskussionsansätze zu finden sind. Außerdem gibt es zu dem Chancenspiegel eine Kurzbroschüre, die die wesentlichen Ergebnisse im Überblick präsentiert. Ergänzend gehört zum Chancenspiegel der Internetauftritt www.chancen-spiegel.de. Hier finden sich neben den zentralen Befunden des Chancenspiegels online auch weitere Eckdaten zu den Schulsystemen der Bundesländer.

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Der erste Chancenspiegel ist eine umfassende Publikation, in der die wissenschaftliche Konzeption und Herleitung der Indikatoren ausführlich dargestellt wird. In den Chancenspiegel 2013 und 2014 werden die Indikatoren fortgeschrieben und daraufhin angeschaut, inwiefern sich der Status quo in den Ländern entwickelt haben und wie es um die Bemühungen der Länder zur Schaffung von mehr Chancengerechtigkeit bestellt ist. Der Chancenspiegel 2017 nimmt mit der Betrachtung der Entwicklungen von 2002 bis 2015 einen größeren Zeitraum in den Blick und formuliert auf dieser Datenbasis eine (Zwischen)Bilanz.

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