Chancenprofil Bayern

Allgemeine Informationen

In Bayern entwickeln sich die Schülerzahlen kontinuierlich rückläufig. Im Schuljahr 2014/15 besuchen insgesamt gut 187.000 Schülerinnen und Schüler weniger eine allgemeinbildende Schule als im Schuljahr 2005/06. Konstant bleibt hingegen das Schulangebot in der Sekundarstufe: Nach der Grundschule stehen bayerischen Schülerinnen und Schülern folgende Schularten zur Verfügung: Hauptschule (HS), Realschule (RS), Integrierte Gesamtschule (IGS), Gymnasium (Gym) und Waldorfschule (W). Dabei nimmt der Anteil der Schulen mit Hochschulreifeoption den herangezogenen Daten zufolge zwischen den Schuljahren 2005/06 und 2010/11 zu, verändert sich in der Folge bis 2014/15 aber kaum mehr.

Strukturfaktor Kennwert 2005/06 2010/11 2014/15
Demographie Schülerzahl allgemeinbildende Schulen 1.469.258 1.386.821 (94,4) 1.282.755 (92,5)
Schulangebot Schularten** der allgemeinen Schulen (Jgst. 7) HS, RS, IGS, Gym, W HS, RS, IGS, Gym, W HS, RS, IGS, Gym, W
Schulangebot mit Hochschulreifeoption an allen allgemeinen Schularten (Jgst. 7)*** 29,5 33,4 33,2

1. Dimension Integrationskraft

In der Dimension Integrationskraft wird Bayern im Hinblick auf die Indikatoren zur sonderpädagogischen Förderung häufig in der mittleren Gruppe verortet. Dies gilt durchgängig für die Exklusionsquote, ab dem Schuljahr 2008/09 für die Förderquote und bis 2012/13 auch für den Inklusionsanteil. Bei dem letztgenannten Anteil der Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf, die eine allgemeine Schule besuchen, zeigt sich am Zeitreihenende ein Gruppenwechsel in die untere Gruppe: Zwar sind die Inklusionsanteile im Zeitreihenverlauf gestiegen, dieser Zuwachs ist allerdings deutlich geringer als in anderen Bundesländern. In Bezug auf die Indikatoren zur Entwicklung des schulischen Ganztags wird Bayern häufig in der unteren Gruppe verortet. Dabei bleiben vor allem die Anteilswerte zur Nutzung schulischer Ganztagsangebote (Ganztagsschüleranteil und Schüleranteil gebundener Ganztag) im Zeitverlauf deutlich niedriger als die jeweiligen Ländermittelwerte. Der Ausbau der Ganztagsangebote hingegen kommt im betrachteten Zeitraum voran – Bayern wird ab dem Schuljahr 2009/10 in der mittleren Ländergruppe verortet.

Förderquote 2014/2015: 6,4 Prozent aller Schülerinnen und Schüler weisen einen sonderpädagogischen Förderbedarf auf (Bundeswert 7,0 Prozent).
Ländervergleich: Mittlere Gruppe.

Inklusionsanteil 2014/15: 26,8 Prozent aller Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf besuchen eine allgemeine Schule (Bundeswert: 34,1 Prozent).
Ländervergleich: Untere Gruppe.

Exklusionsquote 2014/15: 4,7 Prozent aller Schülerinnen und Schüler besuchen eine Förderschule (Bundeswert: 4,6 Prozent).
Ländervergleich: Mittlere Gruppe.

Ganztagsschulanteil 2014/15: 49,2 Prozent aller Schulen sind Ganztagsschulen (Bundeswert: 59,4 Prozent).
Ländervergleich: Mittlere Gruppe.

Ganztagsschüleranteil 2014/15: 15,0 Prozent aller Schülerinnen und Schüler in der Primar- und Sekundarstufe I besuchen eine Ganztagsschule (Bundeswert: 37,3 Prozent).
Ländervergleich: Untere Gruppe.

Schüleranteil gebundener Ganztag 2014/15: 7,6 Prozent aller Schülerinnen und Schüler besuchen eine Ganztagsschule in gebundener Form (Bundeswert: 17,4 Prozent).
Ländervergleich: Untere Gruppe.

1: Aus der Schulreform im Saarland folgen im verwendeten Datensatz des Statistischen Bundesamtes Doppelzählungen einzelner Schulen, nicht aber im Datensatz zum Schulischen Ganztag der KMK. Da seitens der Statistiken nur diese Daten zur Verfügung stehen erhöht sich somit (vorübergehend) die Bezugsgröße „alle Schulen“, was gegenüber den Vorjahren ab dem Schuljahr 2012/13 zu geringeren Ganztagsschulanteilen führt.

Veränderungen der Indikatoren über die Jahre (in Prozent)

Indikator 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014
Förderquote* 5,3 4,9 5,1 5,0 5,0 5,3 5,5 5,5 5,8 6,0 6,2 6,3 6,4
Inklusionsanteil* 12,9 8,0 11,1 11,8 12,5 16,8 16,1 15,7 20,2 22,4 24,8 26,2 26,8
Exklusionsquote* 4,6 4,6 4,5 4,4 4,4 4,4 4,6 4,7 4,6 4,6 4,6 4,6 4,7
Ganztagsschulanteil* 9,3 12,0 14,4 17,4 19,1 22,1 22,8 39,3 43,9 46,0 47,5 48,5 49,2
Ganztagsschüleranteil* 2,3 2,6 2,9 3,2 3,5 4,0 4,6 8,5 10,5 11,4 12,4 14,2 15,0
Schüleranteil geb. Ganztag* 0,5 0,5 0,6 0,7 0,9 1,1 1,6 3,2 4,3 5,1 5,9 7,1 7,6

2. Dimension Durchlässigkeit

Über den betrachteten Zeitraum zeigt sich bezogen auf Bayerns Gruppenzugehörigkeiten ein zweigeteiltes Bild: Auf der einen Seite zählt das Land sowohl hinsichtlich des Schulartwechselverhältnisses häufig und im Hinblick auf den Anteil von Neuzugängen mit maximal einem Hauptschulabschluss in das Duale System konsequent zu den Ländern der oberen Gruppe. Auf der anderen Seite wird das Land hinsichtlich der Indikatoren, die Selektionsmechanismen thematisieren (Übergangsquote Gymnasium und Wiederholerquote), fast konsequent der unteren Gruppe zugeordnet. Dabei steigen die Übergangsquoten zum Gymnasium im Zeitreihenverlauf zwar an, liegen aber immer unter dem Bundesdurchschnitt. Auch die Wiederholerquoten entwickeln sich tendenziell (wie der Bundestrend) sinkend, verbleiben aber immer über dem Bundesdurchschnitt.

Übergangsquote Gymnasium 2014/15: 39,0 Prozent der Grundschülerinnen und Grundschüler gehen auf ein Gymnasium über (Bundeswert 44,0 Prozent).
Ländervergleich: Untere Gruppe.

Wiederholerquote 2014/15: 4,8 Prozent aller Schülerinnen und Schüler wiederholen in den Jahrgangsstufen sieben bis neun eine Klassenstufe (Bundeswert: 2,7 Prozent).
Ländervergleich: Untere Gruppe.

Schulartwechselverhältnis 2014/15: 1:4,4 Auf einen Schüler, der von einer niedrigeren auf eine höhere Schulart wechselt, kommen 4,4 Schülerinnen und Schüler, die von einer höheren auf eine niedrigere Schulart wechseln (Bundeswert: 1:6,0).
Ländervergleich: Mittlere Gruppe.

Anteil Neuzugänge im Dualen System 2014: 51,6 Prozent der Jugendlichen mit maximal einem Hauptschulabschluss, die in den Berufsbildungsbereich übergehen, erhalten einen Ausbildungsplatz im Dualen System (Bundeswert: 40,5 Prozent).
Ländervergleich: Obere Gruppe.

Veränderungen der Indikatoren über die Jahre (in Prozent bzw. als Verhältnis)

Indikator 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014
Übergangsquote Gymnasium* 33,4 33,2 35,1 36,0 37,2 37,7 38,9 40,2 39,7 39,8 39,6 39,5 39,0
Wiederholerquote* 5,6 5,6 5,7 5,4 5,4 5,0 4,8 4,7 4,6 4,4 4,7 4,6 4,8
Schulartwechsel-
verhältnis*
1:0,7 1:0,9 1:1,4 1:2,1 1:2,4 1:2,1 1:2,3 1:2,2 1:2,4 1:2,4 1:3,1 1:3,6 1:4,4
Anteil Neuzugänge Duales System x x x 52,4 52,3 56,2 57,0 51,8 47,7 51,7 53,1 52,3 51,6

3. Dimension Kompetenzförderung

Bezogen auf die Kennwerte zu den Schulleistungsstudien der vergangenen Jahre lässt sich für Bayern eine über alle Indikatoren, Schulstufen und Kompetenzbereiche hinweg vergleichsweise häufige Zugehörigkeit zur oberen Ländergruppe feststellen. Dabei sind vor allem die regelmäßig hohen Kompetenzmittelwerte der untersuchten Schülerstichproben hervorzuheben.

Studie Mittelwert Testleistungen Leistungsstreuung (SD) soziale Herkunft und Kompetenz Migration und Kompetenz
Primarstufe Lesekompetenz
IGLU-E 2006
IQB-Ländervergleich 2011
Primarstufe Mathematische Kompetenz
IQB-Ländervergleich 2011
Sekundarstufe Lesekompetenz
PISA-E 2000
PISA-E 2003
PISA-E 2006
IQB-Ländervergleich 2009
IQB-Bildungstrend 2015
Sekundarstufe I Mathematische Kompetenz
PISA-E 2000
PISA-E 2003
PISA-E 2006
IQB-Ländervergleich 2012
obere Gruppe mittlere Gruppe untere Gruppe Daten nicht angegeben

4. Dimension Zertifikatsvergabe

Im Hinblick auf die Indikatoren der Dimension Zertifikatsvergabe zeigen sich für Bayern unterschiedliche Eingruppierungen: Betrachtet man die Indikatoren zur Vergabe von Hochschulreifezertifikaten (Hochschulreifequote allgemein und Hochschulreifequote allgemein und beruflich), so wird das Land fast konsequent der unteren Gruppe zugeordnet. Die Anteilswerte steigen über die Zeit nur wenig und bleiben insgesamt stetig unterhalb der jeweiligen Ländermittelwerte. Erfolgreich ist Bayern bezogen auf die Verringerung des Anteils an Abgängerinnen und Abgängern ohne Hauptschulabschluss (Abgängerquote): Über den betrachteten Zeitraum können die Werte mehr als halbiert werden, was eine stabile Einordnung in der oberen Gruppe zur Folge hat. Und auch die Abgängerquote der ausländischen Schülerinnen und Schüler geht deutlich zurück; dies bringt 2003 einen Wechsel von der unteren die mittlere Ländergruppe mit sich.

Absolventen mit Hochschulreife allgemein 2014: 28,2 Prozent der Absolventinnen und Absolventen an allgemeinen Schulen, bezogen auf die gleichaltrige Wohnbevölkerung, erwerben die Hochschulreife (Bundeswert 34,1 Prozent).
Ländervergleich: Untere Gruppe.

Absolventen mit Hochschulreife allgemein und beruflich 2014: 46,1 Prozent der jungen Erwachsenen, bezogen auf die gleichaltrige Wohnbevölkerung, erreichen die Hochschulreife an allgemeinen oder beruflichen Schulen (Bundeswert: 52,2 Prozent).
Ländervergleich: Mittlere Gruppe.

Abgängerquote 2014: Der Anteil der Schulabgängerinnen und -abgänger ohne einen Hauptschulabschluss, bezogen auf die gleichaltrige Wohnbevölkerung, liegt bei 4,5 Prozent (Bundeswert: 5,8 Prozent).
Ländervergleich: Obere Gruppe.

Ausländische Abgänger 2014: Der Anteil von ausländischen Schulabgängerinnen und -abgängern ohne einen Hauptschulschluss, bezogen auf die alterstypische Wohnbevölkerung, beträgt 12,6 Prozent (Bundeswert: 12,9 Prozent).
Ländervergleich: Mittlere Gruppe.

Veränderungen der Indikatoren über die Jahre (in Prozent)

Indikator 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014
Hochschulreifequote allg. 19,2 18,9 19,3 19,5 20,3 21,2 21,8 22,7 24,2 24,2 27,3 28,5 28,2
Hochschulreifequote allg. und berufl. 30,7 31,3 32,4 34,0 34,1 35,3 35,7 37,7 41,2 41,2 45,8 46,7 46,1
Abgängerquote 9,5 8,6 8,4 7,5 7,3 6,9 6,4 5,9 5,6 5,2 4,9 4,5 4,5
Abgängerquote ausl. Schüler 20,3 18,0 17,3 16,5 15,9 15,1 14,8 13,9 12,3 11,2 12,8 11,3 12,6