Chancenprofil Brandenburg

Allgemeine Informationen

In Brandenburg geht die Schülerzahl im allgemeinbildenden Schulsystem zwischen den Schuljahren 2005/06 und 2010/11 zurück, steigt bis 2014/15 aber wieder an. Das Schulartenangebot in Brandenburg hingegen bleibt konstant: Laut Statistik können brandenburgische Schülerinnen und Schüler in der Sekundarstufe I zwischen der Schulart mit mehreren Bildungsgängen (SmBg), der Integrierten Gesamtschule (IGS), dem Gymnasium (Gym) und der Waldorfschule (W) wählen. Anders als in anderen Ländern ist allerdings der Anteil von Schulen mit Hochschulreifeoption im beobachteten Zeitraum leicht rückläufig und liegt im Schuljahr 2014/15 bei 56 Prozent.

Strukturfaktor Kennwert 2005/06 2010/11 2014/15
Demographie Schülerzahl allgemeinbildende Schulen 243.858 214.043 (87,8) 226.297 (105,7)
Schulangebot Schularten** der allgemeinen Schulen (Jgst. 7) SmBg, IGS, Gym, W SmBg, IGS, Gym, W SmBg, IGS, Gym, W
Schulangebot mit Hochschulreifeoption an allen allgemeinen Schularten (Jgst. 7)*** 58,3 56,9 56,0

1. Dimension Integrationskraft

Brandenburg zählt zum Ende der Zeitreihe in allen Indikatoren der Dimension Integrationskraft zur mittleren Ländergruppe, allerdings zeichnen sich im Verlauf der vergangenen rund 15 Jahre in drei Kennziffern Gruppenwechsel ab. Bezogen auf die Exklusionsquote wird das Land durchgängig in die mittlere Gruppe (blau) der Bundesländer eingeordnet. Sinkende Förderquoten zum Ende des Betrachtungszeitraums führen zum Wechsel von der unteren (orange) in die mittlere Ländergruppe. Und obwohl der Inklusionsanteil in Brandenburg über die Jahre stetig ansteigt, wechselt Brandenburg in diesem Indikator aus der oberen in die mittlere Ländergruppe – in anderen Bundesländer ist der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf an allgemeinen Schulen deutlicher gestiegen. Betrachtet man die Indikatoren zum Ausbau des schulischen Ganztags, so wird Brandenburg in Bezug auf den Ganztagsschulanteil und den Ganztagsschüleranteil ebenfalls durchgängig der mittleren Gruppe zugeordnet. Hinsichtlich des Schüleranteils im gebundenen Ganztag wechselt das Land zum Schuljahr 2006/07 von der oberen (grün) in die mittlere Gruppe:

Förderquote 2014/2015: 8,1 Prozent aller Schülerinnen und Schüler weisen einen sonderpädagogischen Förderbedarf auf (Bundeswert 7,0 Prozent).
Ländervergleich: Mittlere Gruppe.

Inklusionsanteil 2014/15: 45,2 Prozent aller Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf besuchen eine allgemeine Schule (Bundeswert: 34,1 Prozent).
Ländervergleich: Mittlere Gruppe.

Exklusionsquote 2014/15: 4,4 Prozent aller Schülerinnen und Schüler besuchen eine Förderschule (Bundeswert: 4,6 Prozent).
Ländervergleich: Mittlere Gruppe.

Ganztagsschulanteil 2014/15: 54,8 Prozent aller Schulen sind Ganztagsschulen (Bundeswert: 59,4 Prozent).
Ländervergleich: Mittlere Gruppe.

Ganztagsschüleranteil 2014/15: 47,8 Prozent aller Schülerinnen und Schüler in der Primar- und Sekundarstufe I besuchen eine Ganztagsschule (Bundeswert: 37,3 Prozent).
Ländervergleich: Mittlere Gruppe.

Schüleranteil gebundener Ganztag 2014/15: 15,0 Prozent aller Schülerinnen und Schüler besuchen eine Ganztagsschule in gebundener Form (Bundeswert: 17,4 Prozent).
Ländervergleich: Mittlere Gruppe.

1: Aus der Schulreform im Saarland folgen im verwendeten Datensatz des Statistischen Bundesamtes Doppelzählungen einzelner Schulen, nicht aber im Datensatz zum Schulischen Ganztag der KMK. Da seitens der Statistiken nur diese Daten zur Verfügung stehen erhöht sich somit (vorübergehend) die Bezugsgröße „alle Schulen“, was gegenüber den Vorjahren ab dem Schuljahr 2012/13 zu geringeren Ganztagsschulanteilen führt.

Veränderungen der Indikatoren über die Jahre (in Prozent)

Indikator 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014
Förderquote* 7,3 7,7 8,1 8,2 8,3 8,6 8,5 8,6 8,5 8,4 8,4 8,3 8,1
Inklusionsanteil* 22,1 23,3 24,7 24,9 28,2 34,1 36,4 36,5 38,8 40,0 42,0 43,9 45,2
Exklusionsquote* 5,7 5,9 6,1 6,1 6,0 5,7 5,4 5,4 5,2 5,0 4,9 4,7 4,4
Ganztagsschulanteil* 9,8 10,4 17,7 26,2 34,0 41,4 46,3 49,0 52,8 52,7 53,3 54,1 54,8
Ganztagsschüleranteil* 10,7 11,2 15,6 20,8 27,0 32,7 38,9 42,5 45,6 46,6 46,7 47,5 47,8
Schüleranteil geb. Ganztag* 10,7 11,1 10,9 11,0 11,1 11,3 11,1 11,3 12,2 13,1 14,4 14,8 15,0

2. Dimension Durchlässigkeit

Brandenburg zählt bezogen auf die Durchlässigkeit seines Schulsystems in den meisten Indikatoren und Jahren zur oberen Ländergruppe. Zum Ende der Zeitreihe erfolgt allerdings durch einen Rückgang des Anteils an Grundschülerinnen und Grundschülern, die auf ein Gymnasium überwechseln, sowie angesichts einer steigenden Wiederholerquote der Wechsel in die mittlere Ländergruppe. Trotz fallender Anteilswerte nach wie vor vergleichsweise erfolgreich ist das Land indes, wenn man die Entwicklung des Anteils der Jugendlichen mit maximal Hauptschulabschluss ins Duale System der Berufsausbildung an allen Neuzugängen ins Berufsbildungssystem betrachtet, wo Brandenburg seit dem Jahr 2005 der oberen Gruppe zugeordnet werden kann.

Übergangsquote Gymnasium 2014/15: 44,9 Prozent der Grundschülerinnen und Grundschüler gehen auf ein Gymnasium über (Bundeswert 44,0 Prozent).
Ländervergleich: Mittlere Gruppe.

Wiederholerquote 2014/15: 2,5 Prozent aller Schülerinnen und Schüler wiederholen in den Jahrgangsstufen sieben bis neun eine Klassenstufe (Bundeswert: 2,7 Prozent).
Ländervergleich: Mittlere Gruppe.

Schulartwechselverhältnis 2014/15: 1:2,7 Auf einen Schüler, der von einer niedrigeren auf eine höhere Schulart wechselt, kommen 2,7 Schülerinnen und Schüler, die von einer höheren auf eine niedrigere Schulart wechseln (Bundeswert: 1:6,0).
Ländervergleich: Obere Gruppe.

Anteil Neuzugänge im Dualen System 2014: 50,5 Prozent der Jugendlichen mit maximal einem Hauptschulabschluss, die in den Berufsbildungsbereich übergehen, erhalten einen Ausbildungsplatz im Dualen System (Bundeswert: 40,5 Prozent).
Ländervergleich: Obere Gruppe.

Veränderungen der Indikatoren über die Jahre (in Prozent bzw. als Verhältnis)

Indikator 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014
Übergangsquote Gymnasium* 34,1 36,2 38,3 42,6 44,8 47,8 46,1 47,0 47,8 47,5 46,1 46,3 44,9
Wiederholerquote* 1,2 1,6 3,0 3,3 3,0 2,7 2,3 1,9 1,5 1,6 1,5 2,1 2,5
Schulartwechsel-
verhältnis* **
1:3,4 1:2,8 1:3,3 1:1,6 1:1,3 1:1,5 1:2,4 1:1,6 1:1,5 1:1,8 1:2,0 1:2,2 1:2,7
Anteil Neuzugänge Duales System x x x 74,9 72,1 80,4 82,6 70,4 56,6 53,4 52,4 50,5 50,5

3. Dimension Kompetenzförderung

Auf Basis der Ergebnisse von Leistungsvergleichsuntersuchungen lässt sich in der Dimension Kompetenzförderung kein klares Muster für das Land Brandenburg nachzeichnen. Dies gilt sowohl für die Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler als auch für die Unterschiede zwischen Schülergruppen unterschiedlicher Herkunftsgruppen.

Studie Mittelwert Testleistungen Leistungsstreuung (SD) soziale Herkunft und Kompetenz Migration und Kompetenz
Primarstufe Lesekompetenz
IGLU-E 2006
IQB-Ländervergleich 2011
Primarstufe Mathematische Kompetenz
IQB-Ländervergleich 2011
Sekundarstufe Lesekompetenz
PISA-E 2000
PISA-E 2003
PISA-E 2006
IQB-Ländervergleich 2009
IQB-Bildungstrend 2015
Sekundarstufe I Mathematische Kompetenz
PISA-E 2000
PISA-E 2003
PISA-E 2006
IQB-Ländervergleich 2012
obere Gruppe mittlere Gruppe untere Gruppe Daten nicht angegeben

4. Dimension Zertifikatsvergabe

In der Dimension Zertifikatsvergabe gehört Brandenburg häufig der mittleren Gruppe an; insbesondere in Bezug auf die Indikatoren zu den Hochschulreifequoten wird das Land tendenziell dort verortet. Dabei entwickeln sich die Anteilswerte der Absolventinnen und Absolventen mit Hochschulreife (Hochschulreifequote allgemein und Hochschulreifequote allgemein und beruflich) zwar eher steigend; allerdings schwanken sie häufig. Durch den wachsenden Anteil von Schulabgängerinnen und -abgängern ohne Hauptschulabschluss (Abgängerquote) ändert sich Brandenburgs Gruppenzugehörigkeit von der oberen über die mittlere bis in die untere Ländergruppe. Seit 2008 verringert sich der Anteil der Schülerinnen und Schüler ohne Hauptschulabschluss allerdings wieder – dies führt 2011 zu einem Wechsel in die mittlere Ländergruppe. Eine durchgängige Verortung in der oberen Ländergruppe dagegen erreicht Brandenburg aufgrund des durchweg vergleichsweise geringen Anteils an ausländischen Schülerinnen und Schülern ohne mindestens einen Hauptschulabschluss. Trotz z. T. deutlicher Schwankungen der Anteile über die Jahre liegt das Land damit konstant in der oberen Ländergruppe.

Absolventen mit Hochschulreife allgemein 2014: 39,1 Prozent der Absolventinnen und Absolventen an allgemeinen Schulen, bezogen auf die gleichaltrige Wohnbevölkerung, erwerben die Hochschulreife (Bundeswert 34,1 Prozent).
Ländervergleich: Mittlere Gruppe.

Absolventen mit Hochschulreife allgemein und beruflich 2014: 51,5 Prozent der jungen Erwachsenen, bezogen auf die gleichaltrige Wohnbevölkerung, erreichen die Hochschulreife an allgemeinen oder beruflichen Schulen (Bundeswert: 52,2 Prozent).
Ländervergleich: Mittlere Gruppe.

Abgängerquote 2014: Der Anteil der Schulabgängerinnen und -abgänger ohne einen Hauptschulabschluss, bezogen auf die gleichaltrige Wohnbevölkerung, liegt bei 7,7 Prozent (Bundeswert: 5,8 Prozent).
Ländervergleich: Mittlere Gruppe.

Ausländische Abgänger 2014: Der Anteil von ausländischen Schulabgängerinnen und -abgängern ohne einen Hauptschulschluss, bezogen auf die alterstypische Wohnbevölkerung, beträgt 3,8 Prozent (Bundeswert: 12,9 Prozent).
Ländervergleich: Obere Gruppe.

Veränderungen der Indikatoren über die Jahre (in Prozent)

Indikator 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014
Hochschulreifequote allg. 28,9 27,4 29,9 28,4 29,5 30,8 31,5 37,3 36,7 35,3 35,3 43,5 39,1
Hochschulreifequote allg. und berufl. 37,3 36,3 39,9 39,3 39,8 41,5 42,1 49,3 48,4 46,6 46,6 55,2 51,5
Abgängerquote 8,6 7,9 8,7 9,3 11,7 12,0 11,8 11,0 9,8 8,6 8,6 8,0 7,7
Abgängerquote ausl. Schüler 2,0 4,2 3,4 6,5 7,2 5,6 4,4 2,4 3,7 4,0 5,9 4,5 3,8