Glossar

A
Abgängerquote: Die Abgängerquote stellt den Anteil der Abgänger ohne mindestens einen Hauptschulabschluss aus dem allgemeinbildenden Schulsystem an der gleichaltrigen Wohnbevölkerung dar.
Abgängerquote ausl.: Die Abgängerquote ausl. stellt den Anteil der ausländischen Abgänger ohne mindestens einen Hauptschulabschluss aus dem allgemeinbildenden Schulsystem an der ausländischen Wohnbevölkerung im typischen Abschlussalter dar.
Anteil Neuzugänge Duales System: Der Anteil Neuzugänge Duales System beschreibt das Verhältnis der Neuzugänge in das Duale System mit maximal Hauptschulabschluss zu allen Neuzugängen mit maximal Hauptschulabschluss in drei Sektoren des Berufsbildungssystems (zudem Schulberufssystem und Übergangssystem).
B
Bundeswert: Die Bundeswerte zu den einzelnen Indikatoren werden auf Basis der gesamten Populationen des deutschen Bundesgebietes berechnet, etwa der gesamten Schülerschaft oder aller Schulen Deutschlands. Mit ihm kann beispielsweise gezeigt werden, wie groß der Anteil der Ganztagsschüler innerhalb der gesamten Schülerschaft Deutschlands ist. Er gibt somit Auskunft über das effektive Vorkommen eines Merkmals in Bezug auf bundesdeutsche Populationen.
C
Chancengerechtigkeit: Der Chancenspiegel versteht unter Chancengerechtigkeit die faire Chance zur freien Teilhabe an der Gesellschaft, die auch gewährleistet wird durch eine gerechte Institution Schule, in der Schülerinnen und Schüler aufgrund ihrer sozialen und natürlichen Merkmale keine zusätzlichen Nachteile erfahren, sowie durch eine Förderung der Befähigung aller und eine wechselseitige Anerkennung der an Schule beteiligten Personen.
D
Durchlässigkeit: Mit der Dimension Durchlässigkeit rückt vor allem die Prozessebene in den Fokus. Selektionsprozesse können dann als gerecht gelten, wenn Zuweisungs- und Mobilitätsdynamiken im System unabhängig von sozioökonomischen Merkmalen der Schülerinnen und Schüler erfolgen und es nicht zu einer Verzerrung der inneren Zuweisungsprozesse kommt, also die Beschaffenheit des Systems (z. B. die Angebotsstrukturen) selbst zu ungerechten Schülerströmen führt. In dieser Dimension sind im Chancenspiegel Indikatoren wie der Übergang auf das Gymnasium, Wechselverhältnisse in der Sekundarstufe I oder Klassenwiederholungen Gegenstand der Analyse.
E
Exklusionsquote: Die Exklusionsquote gibt den Anteil der Schülerinnen und Schüler in Förderschulen an allen Schülern im allgemeinbildenden Schulsystem an.
F
Förderquote: Die Förderquote gibt den Anteil von Schülerinnen und Schülern mit diagnostiziertem besonderem Förderbedarf an allen Schülern des allgemeinbildenden Schulsystems an.
G
Ganztagsschulanteil: Der Ganztagsschulanteil zeigt den Anteil der Ganztagsschulen (offen, teilgebunden und gebunden) an allen Schulen des allgemeinbildenden Schulsystems.
Ganztagsschüleranteil: Der Ganztagsschüleranteil gibt den Anteil der Schülerinnen und Schüler im Ganztagsbetrieb an allen Schülern des allgemeinbildenden Schulsystems an. Schüleranteil geb. Ganztag Der Schüleranteil geb. Ganztag zeigt den Anteil der Schülerinnen und Schüler im gebundenen Ganztagsbetrieb an allen Schülern des allgemeinbildenden Schulsystems.
Gruppenmittelwerte: Gibt den indikatorenbezogenen Durchschnittswert einer Ländergruppe an. Der Gruppenmittelwert wird als Quotient aus der Summe der Werte der gruppenzugehörigen Länder und der Anzahl dieser Länder berechnet. Deutschlandabbildungen: Extremwerte, Spannweite. Als ergänzende Informationen zu den empirischen Darstellungen sind die Extremwerte der Verteilung, sprich der höchste und der niedrigste Wert innerhalb der Gruppe der Länder, in Form von kleineren Punkten dargestellt. So wird ein Eindruck von der Gesamtspannweite vermittelt, also dem Unterschied zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Wert.
H
Hochschulreifequote allg.: Die Hochschulreifequote allg. gibt den Anteil der Absolventen mit Hochschulreife an der gleichaltrigen Wohnbevölkerung aus den allgemeinbildenden Schulen an.
Hochschulreifequote allg. und berufl.: Die Hochschulreifequote allg. und berufl. beschreibt den Anteil der Absolventen mit Hochschulreife an der gleichaltrigen Wohnbevölkerung aus den allgemeinbildenden und beruflichen Schulen.
I
IGLU: Die Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung (PIRLS – Progress in International Reading Literacy Study) ist eine international vergleichende Untersuchung zum Leseverständnis und zur Lesemotivation von Schülerinnen und Schülern im Grundschulalter sowie zu den Einfl üssen von sozialer Herkunft, Geschlecht und Migrationshintergrund auf diese Merkmale. IGLU/PIRLS ist eine Studie der International Association for the Evaluation of Educational Achievement (IEA) und wird im fünfjährigen Rhythmus durchgeführt.
Inklusionsanteil: Der Inklusionsanteil beschreibt den Anteil der Schülerinnen und Schüler mit besonderem Förderbedarf in den allgemeinen Schulen an allen Schülern mit besonderem Förderbedarf.
Integrationskraft: Die Integrationskraft von Schulsystemen wird vor allem als Inputvariable behandelt, in der einerseits danach gefragt wird, inwiefern Kinder und Jugendliche in das Regelschulsystem integriert werden. Andererseits interessieren hier die sozialintegrativen Leistungen der Schulsysteme. Diese werden beispielsweise über die Analyse des schulischen Ganztags betrachtet, der als Möglichkeitsraum für kommunikatives Handeln aufgefasst werden kann. Es sind also systemische und soziale Integrationsangebote des Schulsystems, die hier als Gradmesser für eine gerechte Gesellschaft gelten.
Ipsativer Bewertungsrahmen: Hierbei werden Kennwerte nach wiederholter Messung im Zeitverlauf dargestellt sowie Richtung und Ausmaß von Veränderungen interpretiert und bewertet (Döbert und Klieme 2010).
IQB-Ländervergleich und IQB-Bildungstrend: Für die Primarstufe und die Sekundarstufe I wird im Rahmen der vom Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) durchgeführten Ländervergleichsstudien untersucht, inwieweit in den einzelnen Ländern die in den Bildungsstandards formulierten Kompetenzanforderungen vor Abschluss des jeweiligen Bildungsabschnitts erreicht werden. In der Primarstufe (Jahrgangsstufe 4) fi nden die stichprobenbasierten Testungen alle sechs Jahre in den Fächern Deutsch und Mathematik statt. In der Sekundarstufe I (Jahrgangsstufe 9) werden die Erhebungen alle drei Jahre alternierend in den sprachlichen Fächern (Deutsch, Englisch und Französisch) bzw. in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern (Mathematik, Biologie, Chemie, Physik) durchgeführt. Neben den Kompetenzständen werden unter anderem auch Informationen zur sozialen Herkunft, zum Geschlecht und dem Migrationshintergrund der getesteten Schülerinnen und Schüler erhoben. Die Studienreihe IQB-Bildungstrend fokussiert zudem Veränderungen zwischen den Erhebungsjahren.
K
Kompetenzförderung: Die Kompetenzförderung bezieht sich auf eine Outputdimension des Schulsystems. Ein gerechtes Schulsystem fördert die Potenziale von Schülerinnen und Schülern und lässt keine systembedingten einseitigen Fördereffekte zu. Hier interessieren also die Kompetenzleistungen von Schülerinnen und Schülern und inwiefern diese in Abhängigkeit von sozialen Merkmalen stehen.
L
Ländergruppen (obere, mittlere, untere): Im Chancenspiegel werden die Daten zumeist bezogen auf Ländergruppen aufbereitet und dargestellt. Hierfür werden die Länder im Zuge einer Rangreihung der vorliegenden Einzelwerte (der Länder) nach normativer Setzung eingeteilt in die obere Ländergruppe (25 % der Länder mit günstigeren Werten, grüne Einfärbung), mittlere Ländergruppe (50 % der Länder mit mittleren Werten) und untere Ländergruppe (25 % der Länder mit ungünstigeren Werten, orangene Einfärbung).
Ländermittelwert: Mit dem Begriff »Ländermittelwert« soll diese Kenngröße von dem allgemeinen »Bundeswert« unterschieden werden. Hiermit wird der Mittelwert aller einzelnen Länderwerte (Summe aller Länderwerte geteilt durch die Anzahl der Länder), bezogen auf die Indikatoren, bezeichnet. Diese Kenngröße eignet sich gegenüber dem Bundeswert besser für Vergleichszwecke, da er die spezifi schen institutionellen Settings der Schulsysteme berücksichtigt und nicht die zahlenmäßige Größe eines Schulsystems. Somit können die Indikatorenausprägungen einzelner Landessysteme dem allgemeinen Trend, dargestellt als Ländermittelwert, gegenübergestellt werden.
Landeswert: Der Wert eines Landes bezogen auf den jeweiligen Indikator, der zumeist in Prozent angegeben wird.
M
Migrationshintergrund: Die Erfassung des Migrationsstatus im Rahmen von Studien zur Leistungsmessung erfolgt über die Erhebung des Geburtslandes der Eltern und der Schülerinnen und Schüler, wobei mindestens folgende Unterscheidungen getroffen werden: Kinder bzw. Jugendliche ohne Migrationshintergrund, Kinder bzw. Jugendliche mit einem im Ausland geborenen Elternteil und Kinder bzw. Jugendliche, deren beide Elternteile im Ausland geboren sind.
P
PISA: Das Programme for International Student Assessment ist eine international vergleichende Untersuchung zu Fähigkeiten und Kompetenzen 15-jähriger Schülerinnen und Schüler, die seit dem Jahr 2000 alle drei Jahre durchgeführt und von der OECD koordiniert wird. Anhand der stichprobenbasierten Testungen werden Informationen über die Leistungsstände sowie die Einfl üsse von sozialer Herkunft, Geschlecht und Migrationshintergrund auf das Leistungsniveau im jeweiligen Teilnahmeland gewonnen.
Q
Quotensummenverfahren: Beim Quotensummenverfahren wird je Entlassjahrgang die Zahl der Absolventen bzw. Abgänger durch die Zahl des entsprechenden Bevölkerungsjahrgangs geteilt. Dies wird auf jeden Jahrgang angewendet, in dem es für die jeweilige Abschlussart Fälle gibt. Letztlich werden die einzelnen jahrgangsbezogenen Quoten zu einer Gesamtquote addiert.
R
Replikative Zeitwandelstudie: Ein solcher methodischer Ansatz eignet sich insbesondere für Messungen von Veränderungen und der empirischen Nachzeichnung von Wandel. Dabei geht es um Messungen von Merkmalen an vergleichbaren Untersuchungsgruppen zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Es handelt sich um eine Abfolge von Querschnittsmessungen unter gleichen oder ähnlichen Bedingungen, deren Ergebnisse über größere Zeiträume verglichen werden.
S
Schulartwechselverhältnis: Das Schulartwechselverhältnis beschreibt das Verhältnis von Aufwärts- zu Abwärtswechseln der Schüler in den Jahrgangsstufen 7 bis 9 des allgemeinbildenden Schulsystems. Berücksichtigt werden ausschließlich Schulartwechsel, die aufgrund der Abschlussbezogenheit der Schularten einwandfrei als Auf- oder Abwärtswechsel deklariert werden können (z.B. vom Gymnasium zur Realschule, nicht aber vom Gymnasium zur Gesamtschule).
Soziale Herkunft: Die Merkmale des sozialen Status werden je nach Leistungsstudie unterschiedlich erfasst. Am gebräuchlichsten ist die Klassifikation der Sozialschichtzugehörigkeit nach dem Erikson-Goldthorpe-Portocarero-Modell (Erikson, Goldthorpe und Portocarero 1979), wo die Klassifikation des Berufes, Berücksichtigung der Stellung im Beruf und Weisungsbefugnisse der Bezugsperson im Haushalt per Fragebogen erhoben werden (= EGP-Extremgruppenvergleich). In den IGLU-Untersuchungen wird der sozial-kulturelle Hintergrund dagegen über die Anzahl der Bücher im Haushalt ermittelt und zwischen Schülerinnen und Schülern mit mehr oder weniger als 100 Büchern im Haushalt klassifiziert.
Sozialer Bewertungsrahmen: Vergleich von Kennzahlen, die für verschiedene Beobachtungseinheiten gleichen Typs ermittelt wurden. Somit können diese Einheiten auf ihre Unterschiede oder Ähnlichkeiten hinsichtlich bestimmter Merkmale untersucht und wertend gegenübergestellt werden.
T
TIMSS: Die Trends in International Mathematics and Science Study ist eine international vergleichende Schulleistungsuntersuchung. Im Fokus stehen mathematische und naturwissenschaftliche Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern unterschiedlicher Jahrgangsstufen. Mit der Erhebung im Jahr 2015 hat sich Deutschland zum dritten Mal mit Schülerinnen und Schülern der vierten Jahrgangsstufe an TIMSS beteiligt.
Übergangsquote Gymnasium: Diese Übergangsquote stellt den Anteil der Fünftklässler, die nach der Grundschule auf ein Gymnasium übergegangen sind, an allen Neuzugängen in der Eingangsklasse der Sekundarstufe I dar.
W
Wiederholerquote: Die Wiederholerquote stellt den Anteil der Wiederholer in der Sekundarstufe des allgemeinbildenden Schulsystems an allen Schülern der Sekundarstufe dar.
Z
Zertifikatsvergabe: Eine weitere Outputdimension ist die Zertifikatsvergabe. Die angemessene Vergabe schulischer Zertifikate, die als Lebenschancen aufgefasst werden müssen, steht hierbei im Mittelpunkt der Betrachtung. Angemessen heißt, die Vergabe der Zertifikate erfolgt nach den an sie gestellten Anforderungen und ist über Landesgrenzen hinweg vergleichbar. Je niedriger die Quote der Jugendlichen ohne Abschluss und je höher insgesamt die Zahl der vergebenen Zertifikate, als desto gerechter kann ein Schulsystem angesehen werden.