Chancenprofil Berlin

Allgemeine Informationen

Die Berliner Schülerzahlen sind im Betrachtungszeitraum gesunken: Im Schuljahr 2014/15 befinden sich rund 12.000 Schülerinnen und Schüler weniger als 2005/06 im allgemeinbildenden Schulsystem. Und auch die Schularten der Sekundarstufe haben sich in dieser Zeit gewandelt: So finden sich in der Schulstatistik für die Jahre 2005/06 und 2010/11 mit Hauptschule (HS), Realschule (RS), Integrierte Gesamtschule (IGS), Gymnasium (Gym) und Waldorfschule (W) fünf Schularten der Sekundarstufe. Im Schuljahr 2014/15 stehen nur noch drei davon, nämlich Integrierte Gesamtschule, Gymnasium und Waldorfschule, zur Verfügung. Der Anteil der Schulen mit Hochschulreifeoption nimmt den herangezogenen Daten zufolge zu; 2014/15 führen in Berlin alle Schularten zur Hochschulreife.

Strukturfaktor Kennwert 2005/06 2010/11 2014/15
Demographie Schülerzahl allgemeinbildende Schulen 342.204 320.058 (93,5) 330.232 (103,2)
Schulangebot Schularten** der allgemeinen Schulen (Jgst. 7) HS, RS, IGS, Gym, W HS, RS, IGS, Gym, W IGS, Gym, W
Schulangebot mit Hochschulreifeoption an allen allgemeinen Schularten (Jgst. 7)*** 65,4 96,6 100,0

1. Dimension Integrationskraft

Berlin zählt bezogen auf die Indikatoren der Dimension Integrationskraft zu den erfolgreichen Ländern Deutschlands: Der Stadtstaat wird seit dem Schuljahr 2002/03 immer wieder in der oberen Gruppe verortet. Dies betrifft insbesondere die Indikatoren zum Ausbau des schulischen Ganztags, bei dem die Anteilswerte Berlins (meist) deutlich über dem Bundeswert liegen und das Land in der oberen Ländergruppe verortet werden kann. Auch die Inklusionsanteile Berlins sind im Zeitreihenverlauf deutlich größer als die jeweiligen Bundeswerte, hier befindet sich Berlin durchgängig in der oberen Ländergruppe. Gleichzeitig verringert sich in Berlin insbesondere zum Ende der Zeitreihe die Exklusionsquote konsequent und der Stadtstaat wechselt damit von der mittleren zur oberen Ländergruppe. Schließlich stabilisiert sich in den letzten Betrachtungsjahren die Förderquote, in Relation zur Entwicklung der anderen Länder bleibt Berlin hier durchgängig in der mittleren Ländergruppe.

Förderquote 2014/2015: 7,5 Prozent aller Schülerinnen und Schüler weisen einen sonderpädagogischen Förderbedarf auf (Bundeswert 7,0 Prozent).
Ländervergleich: Mittlere Gruppe.

Inklusionsanteil 2014/15: 57,4 Prozent aller Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf besuchen eine allgemeine Schule (Bundeswert: 34,1 Prozent).
Ländervergleich: Obere Gruppe.

Exklusionsquote 2014/15: 3,2 Prozent aller Schülerinnen und Schüler besuchen eine Förderschule (Bundeswert: 4,6 Prozent).
Ländervergleich: Obere Gruppe.

Ganztagsschulanteil 2014/15: 84,9 Prozent aller Schulen sind Ganztagsschulen (Bundeswert: 59,4 Prozent).
Ländervergleich: Obere Gruppe.

Ganztagsschüleranteil 2014/15: 64,2 Prozent aller Schülerinnen und Schüler in der Primar- und Sekundarstufe I besuchen eine Ganztagsschule (Bundeswert: 37,3 Prozent).
Ländervergleich: Obere Gruppe.

Schüleranteil gebundener Ganztag 2014/15: 31,1 Prozent aller Schülerinnen und Schüler besuchen eine Ganztagsschule in gebundener Form (Bundeswert: 17,4 Prozent).
Ländervergleich: Obere Gruppe.

1: Aus der Schulreform im Saarland folgen im verwendeten Datensatz des Statistischen Bundesamtes Doppelzählungen einzelner Schulen, nicht aber im Datensatz zum Schulischen Ganztag der KMK. Da seitens der Statistiken nur diese Daten zur Verfügung stehen erhöht sich somit (vorübergehend) die Bezugsgröße „alle Schulen“, was gegenüber den Vorjahren ab dem Schuljahr 2012/13 zu geringeren Ganztagsschulanteilen führt.

Veränderungen der Indikatoren über die Jahre (in Prozent)

Indikator 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014
Förderquote* 6,1 6,4 6,7 6,5 6,7 6,9 7,1 7,5 7,5 7,5 7,5 7,4 7,5
Inklusionsanteil* 29,2 29,9 32,2 30,7 33,6 35,8 38,8 41,3 43,9 47,3 50,6 54,5 57,4
Exklusionsquote* 4,4 4,5 4,6 4,5 4,5 4,5 4,4 4,4 4,2 4,0 3,7 3,4 3,2
Ganztagsschulanteil* 24,5 24,9 27,0 61,9 65,4 69,0 77,9 78,0 77,1 78,0 78,2 85,2 84,9
Ganztagsschüleranteil* 21,9 22,1 23,6 35,4 38,5 41,9 43,5 45,0 48,0 54,2 53,1 64,7 64,2
Schüleranteil geb. Ganztag* 16,3 16,2 16,3 18,5 18,3 19,8 20,4 20,8 22,3 25,9 23,5 29,4 31,1

2. Dimension Durchlässigkeit

Über den betrachteten Zeitraum hinweg gehört Berlin zur oberen Gruppe der Bundesländer mit einem vergleichsweise hohen Anteil an Schülerinnen und Schülern, die nach der Grundschule auf ein Gymnasium übergehen. Durchgängig zur mittleren Ländergruppe zählt Berlin hinsichtlich des Anteils der Jugendlichen mit mindestens einem Hauptschulabschluss, die eine Berufsausbildung im Dualen System beginnen. Die beiden Indikatoren Schulartwechselverhältnis und Wiederholerquote indes sind bestimmt durch häufige Gruppenwechsel im Verlauf der Zeitreihe: Durch einen stark angestiegenen Verhältniswert im Schuljahr 2004/05 wechselt Berlin von diesem Zeitpunkt an in die untere Ländergruppe, eine im Vergleich zu anderen Bundesländern deutlich verringerte Quote bei den Wiederholern sorgt am Zeitreihenende (2014/15) für einen Gruppenwechsel in die obere Gruppe.

Übergangsquote Gymnasium 2014/15: 53,4 Prozent der Grundschülerinnen und Grundschüler gehen auf ein Gymnasium über (Bundeswert 44,0 Prozent).
Ländervergleich: Obere Gruppe.

Wiederholerquote 2014/15: 1,8 Prozent aller Schülerinnen und Schüler wiederholen in den Jahrgangsstufen sieben bis neun eine Klassenstufe (Bundeswert: 2,7 Prozent).
Ländervergleich: Obere Gruppe.

Schulartwechselverhältnis 2014/15: Dieses Verhältnis wird seit dem Schuljahr 2012/13 nicht mehr ausgewiesen.

Anteil Neuzugänge im Dualen System 2014: 38,9 Prozent der Jugendlichen mit maximal einem Hauptschulabschluss, die in den Berufsbildungsbereich übergehen, erhalten einen Ausbildungsplatz im Dualen System (Bundeswert: 40,5 Prozent).
Ländervergleich: Mittlere Gruppe.

Veränderungen der Indikatoren über die Jahre (in Prozent bzw. als Verhältnis)

Indikator 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014
Übergangsquote Gymnasium* 43,8 42,4 43,4 44,9 45,8 48,0 49,2 49,8 50,8 50,2 50,5 52,0 53,4
Wiederholerquote* 3,6 3,7 3,9 4,0 4,7 4,7 4,4 3,9 3,4 3,2 2,5 2,0 1,8
Schulartwechsel-
verhältnis* **
1:2,1 1:4,3 1:20,6 1:16,0 1:15,5 1:18,7 1:15,1 1:13,9 1:9,6 1:9,1 x x x
Anteil Neuzugänge Duales System x x x 39,8 45,0 47,2 48,1 43,4 41,5 41,0 41,1 40,8 38,9

3. Dimension Kompetenzförderung

Der Blick auf die Leistungsvergleichsstudien der vergangenen Jahre zeigt, dass Berlin unabhängig vom Testalter der Schülerinnen und Schüler und der betrachteten Kompetenz (Lesekompetenz bzw. mathematische Kompetenz) häufig zur Gruppe der Länder mit niedrigeren mittleren Testleistungen bzw. großen Leistungsunterschieden zwischen Schülerinnen und Schülern verschiedener Herkunftsgruppen zählt. Die Herausforderungen, die mit diesem Befund einhergehen, teilt Berlin mit den anderen Stadtstaaten Bremen und Hamburg.

Studie Mittelwert Testleistungen Leistungsstreuung (SD) soziale Herkunft und Kompetenz Migration und Kompetenz
Primarstufe Lesekompetenz
IGLU-E 2006
IQB-Ländervergleich 2011
Primarstufe Mathematische Kompetenz
IQB-Ländervergleich 2011
Sekundarstufe Lesekompetenz
PISA-E 2000
PISA-E 2003
PISA-E 2006
IQB-Ländervergleich 2009
IQB-Bildungstrend 2015
Sekundarstufe I Mathematische Kompetenz
PISA-E 2000
PISA-E 2003
PISA-E 2006
IQB-Ländervergleich 2012
obere Gruppe mittlere Gruppe untere Gruppe Daten nicht angegeben

4. Dimension Zertifikatsvergabe

Bezogen auf die Dimension Zertifikatsvergabe lässt sich für Berlin kein einheitliches Bild zeichnen: Über die Zeit verlassen vergleichsweise viele Schülerinnen und Schüler mit Hochschulreife die allgemeinbildenden Schulen – damit wird der Stadtstaat fast konsequent der oberen Gruppe zugeordnet. Ähnlich konstant bleibt die Gruppenzugehörigkeit zur mittleren Ländergruppe hinsichtlich des Anteils an Absolventinnen und Absolventen mit Hochschulreife aus den allgemeinbildenden und beruflichen Schulen zusammen. Bezogen auf die Anteile an Abgängerinnen und Abgängern sowie ausländischen Abgängerinnen und Abgängern ohne einen Hauptschulabschluss hingegen wird Berlin meist in der unteren Gruppe verortet. So sinken die Abgängerquoten zwar tendenziell im Verlauf der Zeitreihe, bleiben aber in Relation zu anderen Ländern hoch. Zudem steigen beide Quoten zum Ende der Zeitreihe (2014) wieder an.

Absolventen mit Hochschulreife allgemein 2014: 44,5 Prozent der Absolventinnen und Absolventen an allgemeinen Schulen, bezogen auf die gleichaltrige Wohnbevölkerung, erwerben die Hochschulreife (Bundeswert 34,1 Prozent).
Ländervergleich: Obere Gruppe.

Absolventen mit Hochschulreife allgemein und beruflich 2014: 56,8 Prozent der jungen Erwachsenen, bezogen auf die gleichaltrige Wohnbevölkerung, erreichen die Hochschulreife an allgemeinen oder beruflichen Schulen (Bundeswert: 52,2 Prozent).
Ländervergleich: Obere Gruppe.

Abgängerquote 2014: Der Anteil der Schulabgängerinnen und -abgänger ohne einen Hauptschulabschluss, bezogen auf die gleichaltrige Wohnbevölkerung, liegt bei 9,2 Prozent (Bundeswert: 5,8 Prozent).
Ländervergleich: Untere Gruppe.

Ausländische Abgänger 2014: Der Anteil von ausländischen Schulabgängerinnen und -abgängern ohne einen Hauptschulschluss, bezogen auf die alterstypische Wohnbevölkerung, beträgt 16,9 Prozent (Bundeswert: 12,9 Prozent).
Ländervergleich: Untere Gruppe.

Veränderungen der Indikatoren über die Jahre (in Prozent)

Indikator 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014
Hochschulreifequote allg. 30,9 31,1 32,8 34,0 34,1 33,3 34,4 35,0 36,0 38,1 38,1 44,7 44,5
Hochschulreifequote allg. und berufl. 38,5 40,3 42,5 44,7 44,8 43,2 44,7 45,7 47,3 49,9 49,9 57,0 56,8
Abgängerquote 11,9 12,0 11,1 10,0 9,7 10,0 10,6 10,2 10,5 9,7 9,3 8,1 9,2
Abgängerquote ausl. Schüler 25,1 27,0 23,2 22,7 19,8 19,5 19,7 14,1 15,6 14,3 16,0 13,8 16,9