Chancenprofil Nordrhein-Westfalen

Allgemeine Informationen

In Nordrhein-Westfalen nehmen die Schülerzahlen in den vergangenen zehn Jahren ab: Insgesamt lernen 2014/15 knapp 340.000 Schülerinnen und Schüler weniger an den allgemeinbildenden Schulen als noch 2005/06. Das Schulsystem hat sich in diesem Zeitraum weiter ausdifferenziert: Im letzten der berichteten Schuljahre zeigt die Statistik Schulangebote in allen Schularten der Sekundarstufe (Hauptschulen (HS), Realschulen (RS), Integrierte Gesamtschulen (IGS), Gymnasien (Gym) und Waldorfschulen (W). Dabei bieten immer mehr Schulen ihren Schülerinnen und Schülern den direkten Weg zum Abitur an: Der Anteil der Schulen mit Hochschulreifeoption steigt von 46,7 auf 58,1 Prozent.

Strukturfaktor Kennwert 2005/06 2010/11 2014/15
Demographie Schülerzahl allgemeinbildende Schulen 2.285.165 2.111.558 (92,4) 1.943.917 (92,1)
Schulangebot Schularten** der allgemeinen Schulen (Jgst. 7) HS, RS, IGS, Gym, W HS, RS, IGS, Gym, W HS, SmBg, RS, IGS, Gym, W
Schulangebot mit Hochschulreifeoption an allen allgemeinen Schularten (Jgst. 7)*** 46,7 52,0 58,1

1. Dimension Integrationskraft

Nordrhein-Westfalen hat sich insbesondere in den letzten Beobachtungsjahren hinsichtlich der Indikatoren zur Integrationskraft in der mittleren Ländergruppe stabilisiert: Das Land findet in Bezug auf Anteil der Schülerinnen und Schüler mit einem diagnostizierten sonderpädagogischen Förderbedarf (Förderquote) bereits seit Beginn der Zeitreihe, mit Blick auf den Inklusionsanteil und die Exklusionsquote (wieder) seit dem Schuljahr 2013/14 in dieser Gruppe. Im Fall von Inklusionsanteil und Exklusionsquote dokumentiert die Statistik für das Land deutlich steigende Inklusionsanteile und sinkende Exklusionsquoten zum Ende der Zeitreihen.
Auch hinsichtlich der Indikatoren zum schulischen Ganztag zählt das Land ab dem Schuljahr 2005/06 (Ganztagsschüleranteil) bzw. 2008/09 (Schüleranteil gebunden Ganztag) nur noch zur mittleren Ländergruppe –, obwohl insgesamt durchgängig steigende Anteilswerte in den Indikatoren beobachtet werden können: Andere Bundesländer haben ihren Ganztagsausbau den Anteilswerten zufolge konsequenter vorangetrieben.

Förderquote 2014/2015: 7,4 Prozent aller Schülerinnen und Schüler weisen einen sonderpädagogischen Förderbedarf auf (Bundeswert 7,0 Prozent).
Ländervergleich: Mittlere Gruppe.

Inklusionsanteil 2014/15: 33,3 Prozent aller Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf besuchen eine allgemeine Schule (Bundeswert: 34,1 Prozent).
Ländervergleich: Mittlere Gruppe.

Exklusionsquote 2014/15: 4,9 Prozent aller Schülerinnen und Schüler besuchen eine Förderschule (Bundeswert: 4,6 Prozent).
Ländervergleich: Mittlere Gruppe.

Ganztagsschulanteil 2014/15: 72,9 Prozent aller Schulen sind Ganztagsschulen (Bundeswert: 59,4 Prozent).
Ländervergleich: Mittlere Gruppe.

Ganztagsschüleranteil 2014/15: 44,0 Prozent aller Schülerinnen und Schüler in der Primar- und Sekundarstufe I besuchen eine Ganztagsschule (Bundeswert: 37,3 Prozent).
Ländervergleich: Mittlere Gruppe.

Schüleranteil gebundener Ganztag 2014/15: 28,5 Prozent aller Schülerinnen und Schüler besuchen eine Ganztagsschule in gebundener Form (Bundeswert: 17,4 Prozent).
Ländervergleich: Mittlere Gruppe.

1: Aus der Schulreform im Saarland folgen im verwendeten Datensatz des Statistischen Bundesamtes Doppelzählungen einzelner Schulen, nicht aber im Datensatz zum Schulischen Ganztag der KMK. Da seitens der Statistiken nur diese Daten zur Verfügung stehen erhöht sich somit (vorübergehend) die Bezugsgröße „alle Schulen“, was gegenüber den Vorjahren ab dem Schuljahr 2012/13 zu geringeren Ganztagsschulanteilen führt.

Veränderungen der Indikatoren über die Jahre (in Prozent)

Indikator 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014
Förderquote* 5,3 5,4 5,5 5,5 5,7 5,8 6,0 6,2 6,5 6,6 6,8 7,1 7,4
Inklusionsanteil* 8,7 8,5 8,9 9,5 10,2 11,1 12,4 14,0 16,1 19,2 23,9 28,9 33,3
Exklusionsquote* 4,9 5,0 5,0 5,0 5,1 5,2 5,2 5,3 5,5 5,3 5,2 5,1 4,9
Ganztagsschulanteil* 10,0 13,6 20,5 30,6 46,2 58,3 60,8 63,8 66,0 68,6 70,3 71,5 72,9
Ganztagsschüleranteil* 14,6 15,3 16,3 17,8 20,4 23,4 25,4 27,8 30,7 34,8 37,8 41,0 44,0
Schüleranteil geb. Ganztag* 14,6 14,7 14,9 14,8 15,2 15,7 16,4 17,6 20,0 21,9 23,8 26,4 28,5

2. Dimension Durchlässigkeit

In Bezug auf die Indikatoren der Dimension Durchlässigkeit wird Nordrhein-Westfalen zumeist der mittleren und einige Male der unteren Gruppe zugeordnet. Dabei zeigen sich hinsichtlich der Wiederholerquote in einigen Schuljahren vergleichsweise deutlich rückläufige Anteilswerte und eine konsequente Verortung des Landes in der mittleren Ländergruppe. Der Anteil der Schülerinnen und Schüler, der nach der Grundschule auf ein Gymnasium übergeht, bleibt vergleichsweise niedrig, gleichwohl wechselt Nordrhein-Westfalen im Schuljahr 2014/15 hier von der unteren in die mittlere Ländergruppe. Mit Blick auf den Anteil der Neuzugänge in das Duale System mit maximal Hauptschulabschluss bleibt das Land insbesondere zuletzt im Zeitverlauf hinter den Entwicklungen anderer Länder zurück. Das Verhältnis der Wechsel zwischen den Schularten bleibt über den gesamten Betrachtungszeitraum deutlich über dem Bundeswert.

Übergangsquote Gymnasium 2014/15: 41,6 Prozent der Grundschülerinnen und Grundschüler gehen auf ein Gymnasium über (Bundeswert 44,0 Prozent).
Ländervergleich: Mittlere Gruppe.

Wiederholerquote 2014/15: 2,5 Prozent aller Schülerinnen und Schüler wiederholen in den Jahrgangsstufen sieben bis neun eine Klassenstufe (Bundeswert: 2,7 Prozent).
Ländervergleich: Mittlere Gruppe.

Schulartwechselverhältnis 2014/15: 1:11,9 Auf einen Schüler, der von einer niedrigeren auf eine höhere Schulart wechselt, kommen 11,9 Schülerinnen und Schüler, die von einer höheren auf eine niedrigere Schulart wechseln (Bundeswert: 1:6,0).
Ländervergleich: Untere Gruppe.

Anteil Neuzugänge im Dualen System 2014: 37,8 Prozent der Jugendlichen mit maximal einem Hauptschulabschluss, die in den Berufsbildungsbereich übergehen, erhalten einen Ausbildungsplatz im Dualen System (Bundeswert: 40,5 Prozent).
Ländervergleich: Untere Gruppe.

Veränderungen der Indikatoren über die Jahre (in Prozent bzw. als Verhältnis)

Indikator 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014
Übergangsquote Gymnasium* 34,9 35,1 36,6 38,1 39,1 38,7 38,7 38,8 39,5 41,1 41,8 41,8 41,6
Wiederholerquote* 4,3 4,1 3,3 3,3 3,4 3,2 2,8 2,5 2,4 2,3 2,4 2,5 2,5
Schulartwechsel-
verhältnis* **
1:19,0 1:18,4 1:13,2 1:10,3 1:10,1 1:13,1 1:12,4 1:8,5 1:7,3 1:7,5 1:8,4 1:10,0 1:11,9
Anteil Neuzugänge Duales System x x x 36,7 36,4 40,2 42,7 38,2 36,5 39,1 38,9 38,5 37,8

3. Dimension Kompetenzförderung

Nordrhein-westfälische Grundschülerinnen und Grundschüler weisen im Vergleich zu den getesteten Grundschülerinnen und Grundschülern der anderen Länder häufiger recht geringe Leistungsstreuungen und geringere Kompetenzunterschiede zwischen den Schülergruppen mit und ohne Migrationshintergrund auf. Gleichzeitig erreichen die 15-Jährigen in Nordrhein-Westfalen vergleichsweise häufig geringe Mittelwerte in der mathematischen Kompetenz – und landen damit in fast allen Leistungsvergleichsstudien in der unteren Ländergruppe.

Studie Mittelwert Testleistungen Leistungsstreuung (SD) soziale Herkunft und Kompetenz Migration und Kompetenz
Primarstufe Lesekompetenz
IGLU-E 2006
IQB-Ländervergleich 2011
Primarstufe Mathematische Kompetenz
IQB-Ländervergleich 2011
Sekundarstufe Lesekompetenz
PISA-E 2000
PISA-E 2003
PISA-E 2006
IQB-Ländervergleich 2009
IQB-Bildungstrend 2015
Sekundarstufe I Mathematische Kompetenz
PISA-E 2000
PISA-E 2003
PISA-E 2006
IQB-Ländervergleich 2012
obere Gruppe mittlere Gruppe untere Gruppe Daten nicht angegeben

4. Dimension Zertifikatsvergabe

Erfolgreich ist Nordrhein-Westfalen in der Dimension Zertifikatsvergabe, das Land zählt hier im Verlauf der Zeitreihe häufig zur oberen Gruppe. So ist beispielsweise der Anteil der Schülerinnen und Schüler, der die allgemeine oder berufliche Schule mit einer Hochschulreife verlässt, durchgängig höher als in den meisten anderen Ländern. Bezogen auf die Anteile an Abgängerinnen und Abgängern ohne mindestens einen Hauptschulabschluss allerdings wechselt die Gruppenzugehörigkeit des Landes im Verlauf der Zeitreihe: Durch die nur zum Teil sinkenden Quoten erfolgt hier 2010 der Gruppenwechsel von der oberen in die mittlere Gruppe. Die Abgängerquoten der ausländischen Schülerinnen und Schüler schwanken über die Zeitreihe hinweg. Insbesondere in den letzten Betrachtungsjahren ist der Anteil der ausländischen Schülerinnen und Schüler ohne einen Hauptschulabschluss, bezogen auf die alterstypische Wohnbevölkerung, vergleichsweise hoch.

Absolventen mit Hochschulreife allgemein 2014: 41,4 Prozent der Absolventinnen und Absolventen an allgemeinen Schulen, bezogen auf die gleichaltrige Wohnbevölkerung, erwerben die Hochschulreife (Bundeswert 34,1 Prozent).
Ländervergleich: Obere Gruppe.

Absolventen mit Hochschulreife allgemein und beruflich 2014: 54,1 Prozent der jungen Erwachsenen, bezogen auf die gleichaltrige Wohnbevölkerung, erreichen die Hochschulreife an allgemeinen oder beruflichen Schulen (Bundeswert: 52,2 Prozent).
Ländervergleich: Mittlere Gruppe.

Abgängerquote 2014: Der Anteil der Schulabgängerinnen und -abgänger ohne einen Hauptschulabschluss, bezogen auf die gleichaltrige Wohnbevölkerung, liegt bei 6,2 Prozent (Bundeswert: 5,8 Prozent).
Ländervergleich: Mittlere Gruppe.

Ausländische Abgänger 2014: Der Anteil von ausländischen Schulabgängerinnen und -abgängern ohne einen Hauptschulschluss, bezogen auf die alterstypische Wohnbevölkerung, beträgt 14,5 Prozent (Bundeswert: 12,9 Prozent).
Ländervergleich: Untere Gruppe.

Veränderungen der Indikatoren über die Jahre (in Prozent)

Indikator 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014
Hochschulreifequote allg. 29,6 29,6 31,1 31,4 32,4 32,4 34,3 35,0 36,3 37,8 42,6 42,6 41,4
Hochschulreifequote allg. und berufl. 46,2 47,9 51,8 52,4 52,7 52,5 54,0 54,4 56,6 59,1 64,5 64,5 54,1
Abgängerquote 7,1 6,9 6,9 7,0 6,8 6,9 6,8 6,5 6,0 5,7 5,7 5,9 6,2
Abgängerquote ausl. Schüler 12,8 12,3 13,0 13,6 13,7 14,8 14,3 13,5 13,0 11,8 13,6 13,3 14,5