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Der Chancenspiegel 2014 ist da! Zur Chancengerechtigkeit und Leistungsfähigkeit der deutschen Schulsysteme - unter besonderer Berücksichtigung regionaler Disparitäten

Bildungschancen sind Lebenschancen. Der Chancenspiegel untersucht, wie es um die Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen in den deutschen Schulsystemen steht, und fragt nach deren Leistungsfähigkeit und Gerechtigkeit. Mithilfe von Daten aus der amtlichen Statistik und aus Schulleistungsuntersuchungen werden die Schulsysteme der Bundesländer in den Gerechtigkeitsdimensionen »Integrationskraft«, »Durchlässigkeit«, »Kompetenzförderung« und »Zertifikatsvergabe« vergleichend betrachtet.

Im Chancenspiegel 2014 werden erstmals Veränderungen in den Ergebnissen über vier Vergleichszeitpunkte dargestellt.
Ein Schwerpunkt der Analysen liegt in diesem Jahr auf den regionalen Unterschieden von fairen Bildungschancen innerhalb der Bundesländer: Ergänzend zu den Analysen auf Bundeslandebene werden verfügbare bildungsstatistische Daten auf der Ebene von Kreisen und kreisfreien Städten in den beiden Dimensionen „Durchlässigkeit“ und „Zertifikatsvergabe“ in den Blick genommen. Für die Dimensionen „Integrationskraft“ und „Kompetenzförderung“ erwies sich die Datenbasis auf Ebene aller 402 Kreise und kreisfreien Städte als schwierig, so dass diese in den Analysen zu regionalen Unterschieden innerhalb der Bundesländer nicht betrachtet wurden.

Der Chancenspiegel trägt mit seinen theoretischen Impulsen und empirischen Befunden dazu bei, die gesellschaftliche Debatte über ein gerechtes und leistungsstarkes Schulsystem in Deutschland sach- und lösungsorientiert zu vertiefen, mit dem Ziel alle Kinder und Jugendlichen bestmöglich zu fördern. Der Chancenspiegel gibt bspw. Auskunft darüber, wer heute schon ein gutes Ganztagsangebot, inklusive Schulen, wenige Sitzenbleiber, eine geringe Korrelation zwischen Herkunft und Bildungserfolg sowie wenige Schulabbrecher hat – und in welchen Ländern in dieser Hinsicht Nachholbedarf besteht.


Bildungschancen in Deutschland: positive Trends, aber weiter großer Handlungsbedarf

Es zeigen sich durchaus positive Entwicklungen, so das Fazit des vorliegenden Chancenspiegels: Mehr Schüler haben Zugang zum ganztätigen Lernen, weniger Schüler brechen die Schule ohne Abschluss ab und mehr Schüler erreichen die (Fach)Hochschulreife. Das sind erfreulich stabile Trends seit dem Schuljahr 2009/2010, auf das sich der erste Chancenspiegel bezog. Aber zum Fazit gehören auch weniger erfreuliche Befunde. So ist festzustellen, dass es beim Ganztagsschulausbau nur langsam vorangeht und dass es auch Stagnation gibt: Der Anteil der Schüler, die keine Regelschulen besuchen können, ist zuletzt nicht mehr zurückgegangen. Diese Exklusion hat aber gravierende Auswirkungen auf die Chancen von Schülern, denn in Förderschulen erreichen nur die wenigsten Jugendlichen einen Hauptschulabschluss. Außerdem tut sich wenig auf der hartnäckigsten Baustelle für die Chancen von Kindern und Jugendlichen in Schulen: Der Bildungserfolg, gemessen in Kompetenzen von Neuntklässlern in Mathematik, bleibt weiterhin stark von der sozialen Herkunft abhängig. Hier gelingt es Schulen in Deutschland immer noch zu wenig, die herkunftsbedingten Nachteile ihrer Schüler auszugleichen.

Unverändert stark ausgeprägt ist auch das Gefälle zwischen den Bundesländern. So zeigt der unterschiedliche Umgang mit Inklusion und schulischem Ganztag, dass es für diese zentralen Herausforderungen nach wie vor kein gemeinsames Verständnis der Länder oder bundesweite Standards gibt. Im Ergebnis bedeutet das auch, dass die Schulsysteme der Länder den Kindern und Jugendlichen höchst unterschiedliche Bildungschancen bieten – wenn auch kein Land überall vorbildlich und kein Land überall Schlusslicht ist.