Chancenprofil Hamburg

Allgemeine Informationen

Hamburgs Schülerzahlen sind nach einer zwischenzeitlich gegenläufigen Entwicklung zuletzt wieder gewachsen: Insgesamt besuchen 2014/15 im Vergleich zu 2005/06 knapp 4.000 Schülerinnen und Schüler weniger das allgemeinbildende Schulsystem der Hansestadt. Das Schulsystem hat sich im betrachteten Zeitraum deutlich gewandelt: 2005/06 wurden noch alle Schularten der Sekundarstufe vorgehalten (Hauptschule (HS), Realschule (RS), Schularten mit mehreren Bildungsgängen (SmBg). Im Schuljahr 2014/15 gibt es in der Jahrgangsstufe sieben die Integrierte Gesamtschule (IGS), das Gymnasium (Gym) und die Waldorfschule (W) – und damit ausschließlich Schularten, die potenziell zum Abitur führen. Der Anteil der Schulen mit Hochschulreifeoption nimmt in der Folge auf 100 Prozent zu – bereits ab 2010/11 legt das Schulgesetz fest, dass alle weiterführenden Schulen den Erwerb der Hochschulreife ermöglichen.

Strukturfaktor Kennwert 2005/06 2010/11 2014/15
Demographie Schülerzahl allgemeinbildende Schulen 173.619 170.520 (98,2) 177.868 (104,3)
Schulangebot Schularten** der allgemeinen Schulen (Jgst. 7) HS, SmBg, RS, IGS, Gym, W IGS, Gym, W IGS, Gym, W
Schulangebot mit Hochschulreifeoption an allen allgemeinen Schularten (Jgst. 7)*** 68,4 100,0 100,0

1. Dimension Integrationskraft

Hamburg entwickelt sich im Vergleich zu den anderen Bundesländern über die Zeit hinweg in der Dimension Integrationskraft sehr positiv. Die Gruppenzugehörigkeit der Hansestadt verbessert sich in fast allen Indikatoren und Hamburg zählt – mit Ausnahme der Förderquote – am Zeitreihenende zur oberen Gruppe. Dabei zeigen sich bezogen auf Inklusionsanteil, Ganztagsschulanteil, Ganztagsschüleranteil und Schüleranteil im gebundenen Ganztag steigende und bei der Exklusionsquote sinkende Werte.

Förderquote 2014/2015: 8,3 Prozent aller Schülerinnen und Schüler weisen einen sonderpädagogischen Förderbedarf auf (Bundeswert 7,0 Prozent).
Ländervergleich: Mittlere Gruppe.

Inklusionsanteil 2014/15: 59,6 Prozent aller Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf besuchen eine allgemeine Schule (Bundeswert: 34,1 Prozent).
Ländervergleich: Obere Gruppe.

Exklusionsquote 2014/15: 3,4 Prozent aller Schülerinnen und Schüler besuchen eine Förderschule (Bundeswert: 4,6 Prozent).
Ländervergleich: Obere Gruppe.

Ganztagsschulanteil 2014/15: 93,5 Prozent aller Schulen sind Ganztagsschulen (Bundeswert: 59,4 Prozent).
Ländervergleich: Obere Gruppe.

Ganztagsschüleranteil 2014/15: 88,3 Prozent aller Schülerinnen und Schüler in der Primar- und Sekundarstufe I besuchen eine Ganztagsschule (Bundeswert: 37,3 Prozent).
Ländervergleich: Obere Gruppe.

Schüleranteil gebundener Ganztag 2014/15: 32,1 Prozent aller Schülerinnen und Schüler besuchen eine Ganztagsschule in gebundener Form (Bundeswert: 17,4 Prozent).
Ländervergleich: Obere Gruppe.

1: Aus der Schulreform im Saarland folgen im verwendeten Datensatz des Statistischen Bundesamtes Doppelzählungen einzelner Schulen, nicht aber im Datensatz zum Schulischen Ganztag der KMK. Da seitens der Statistiken nur diese Daten zur Verfügung stehen erhöht sich somit (vorübergehend) die Bezugsgröße „alle Schulen“, was gegenüber den Vorjahren ab dem Schuljahr 2012/13 zu geringeren Ganztagsschulanteilen führt.

Veränderungen der Indikatoren über die Jahre (in Prozent)

Indikator 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014
Förderquote* 5,7 5,8 5,5 5,8 5,7 5,6 5,7 5,8 6,1 6,6 8,3 8,8 8,3
Inklusionsanteil* 14,5 17,1 12,1 16,0 15,1 14,0 14,5 16,2 24,4 36,3 54,0 59,1 59,6
Exklusionsquote* 4,9 4,8 4,9 4,9 4,8 4,8 4,9 4,9 4,6 4,2 3,8 3,6 3,4
Ganztagsschulanteil* 8,8 9,3 20,0 28,4 29,2 35,4 39,2 40,3 48,0 51,4 66,9 89,8 93,5
Ganztagsschüleranteil* 5,7 6,2 10,1 25,8 35,6 33,2 43,4 47,1 54,8 56,8 61,7 86,9 88,3
Schüleranteil geb. Ganztag* 3,6 3,3 3,5 5,9 6,9 13,6 9,3 12,0 20,9 22,1 26,0 33,4 32,1

2. Dimension Durchlässigkeit

Auch im Hinblick auf die Indikatoren der Dimension Durchlässigkeit wird Hamburg im Betrachtungszeitraum häufig der oberen Ländergruppe zugeordnet. Durchweg hohe Übergangsquoten ans Gymnasium und die (mit Ausnahme eines Ausreißerjahres) in der Regel sinkenden Wiederholerquoten führen spätestens am Zeitreihenende zum Wechsel in die obere Gruppe. Dabei liegen die Werte Hamburgs in beiden Indikatoren auch meist über (Übergangsquote) bzw. unter (Wiederholerquote) den Ländermittelwerten. Betrachtet man den Anteil der Neuzugänge in das Duale System mit maximal Hauptschulabschluss (Anteil Neuzugänge Duales System) sind deutliche steigende Anteilswerte zu verzeichnen und Hamburg wird ab 2012 in der oberen Ländergruppe verortet.

Übergangsquote Gymnasium 2014/15: 54,9 Prozent der Grundschülerinnen und Grundschüler gehen auf ein Gymnasium über (Bundeswert 44,0 Prozent).
Ländervergleich: Obere Gruppe.

Wiederholerquote 2014/15: 1,9 Prozent aller Schülerinnen und Schüler wiederholen in den Jahrgangsstufen sieben bis neun eine Klassenstufe (Bundeswert: 2,7 Prozent).
Ländervergleich: Obere Gruppe.

Schulartwechselverhältnis 2014/15: Dieses Verhältnis wird seit dem Schuljahr 2012/13 nicht mehr ausgewiesen.

Anteil Neuzugänge im Dualen System 2014: 53,1 Prozent der Jugendlichen mit maximal einem Hauptschulabschluss, die in den Berufsbildungsbereich übergehen, erhalten einen Ausbildungsplatz im Dualen System (Bundeswert: 40,5 Prozent).
Ländervergleich: Obere Gruppe.

Veränderungen der Indikatoren über die Jahre (in Prozent bzw. als Verhältnis)

Indikator 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014
Übergangsquote Gymnasium* x x x x 48,3 49,5 50,5 51,8 52,6 52,1 52,9 53,0 54,9
Wiederholerquote* 2,6 2,7 2,6 2,7 2,7 2,7 2,3 3,1 2,4 2,3 2,2 2,0 1,9
Schulartwechsel-
verhältnis* ** ➀ ➂
x x x x 1:0,3 1:0,3 1:4,1 1:1,7 1:1,1 1:2,0 x x x
Anteil Neuzugänge Duales System x x x 28,4 34,5 38,0 42,4 39,9 42,2 43,9 45,8 53,2 53,1

3. Dimension Kompetenzförderung

Der Blick auf die Leistungsvergleichsstudien der vergangenen Jahre zeigt, dass Hamburg unabhängig vom Testalter der Schülerinnen und Schüler und der betrachteten Kompetenz (Lese- bzw. mathematische Kompetenz) häufig zu den Ländern mit niedrigeren mittleren Testleistungen bzw. großen Kompetenzunterschieden von Schülerinnen und Schülern nach deren sozialer Herkunft zählt. Die Herausforderungen, die mit diesem Befund einhergehen, teilt Hamburg mit den anderen Stadtstaaten Berlin und Bremen. Auffällig im Vergleich zu den anderen Stadtstaaten ist allerdings, dass sich Hamburg häufiger in der mittleren Ländergruppe findet, wenn es um die Kompetenzunterschiede von Schülerinnen und Schülern mit und ohne Migrationshintergrund geht.

Studie Mittelwert Testleistungen Leistungsstreuung (SD) soziale Herkunft und Kompetenz Migration und Kompetenz
Primarstufe Lesekompetenz
IGLU-E 2006
IQB-Ländervergleich 2011
Primarstufe Mathematische Kompetenz
IQB-Ländervergleich 2011
Sekundarstufe Lesekompetenz
PISA-E 2000
PISA-E 2003
PISA-E 2006
IQB-Ländervergleich 2009
IQB-Bildungstrend 2015
Sekundarstufe I Mathematische Kompetenz
PISA-E 2000
PISA-E 2003
PISA-E 2006
IQB-Ländervergleich 2012
obere Gruppe mittlere Gruppe untere Gruppe Daten nicht angegeben

4. Dimension Zertifikatsvergabe

In der Dimension Zertifikatsvergabe gehört Hamburg bezogen auf die Hochschulreifequoten (Hochschulreifequote allgemein und Hochschulreifequote allgemein und beruflich) tendenziell der oberen Gruppe an; im Stadtstaat steigen die Anteile von Schülerinnen und Schülern mit Hochschulreife stärker an, als dies in den anderen Bundesländern der Fall ist. Hinsichtlich des Indikators Anteil der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss (Abgängerquote) wechselt Hamburg durch einen höheren Werterückgang seine Gruppenzugehörigkeit im Zeitreihenverlauf von der unteren in die obere Gruppe. Auch hinsichtlich des Indikators Anteil der ausländischen Schulabgängerinnen und -abgänger ohne Hauptschulabschluss (Abgängerquote ausländische Schülerinnen und Schüler) gelingt dies; allerdings steigt der Anteilswert im zuletzt betrachteten Jahr wieder so weit an, dass Hamburg erneut in die mittlere Gruppe eingeordnet wird.

Absolventen mit Hochschulreife allgemein 2014: 52,6 Prozent der Absolventinnen und Absolventen an allgemeinen Schulen, bezogen auf die gleichaltrige Wohnbevölkerung, erwerben die Hochschulreife (Bundeswert 34,1 Prozent).
Ländervergleich: Obere Gruppe.

Absolventen mit Hochschulreife allgemein und beruflich 2014: 62,5 Prozent der jungen Erwachsenen, bezogen auf die gleichaltrige Wohnbevölkerung, erreichen die Hochschulreife an allgemeinen oder beruflichen Schulen (Bundeswert: 52,2 Prozent).
Ländervergleich: Obere Gruppe.

Abgängerquote 2014: Der Anteil der Schulabgängerinnen und -abgänger ohne einen Hauptschulabschluss, bezogen auf die gleichaltrige Wohnbevölkerung, liegt bei 4,9 Prozent (Bundeswert: 5,8 Prozent).
Ländervergleich: Obere Gruppe.

Ausländische Abgänger 2014: Der Anteil von ausländischen Schulabgängerinnen und -abgängern ohne einen Hauptschulschluss, bezogen auf die alterstypische Wohnbevölkerung, beträgt 12,9 Prozent (Bundeswert: 12,9 Prozent).
Ländervergleich: Mittlere Gruppe.

Veränderungen der Indikatoren über die Jahre (in Prozent)

Indikator 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014
Hochschulreifequote allg. 29,6 30,1 31,0 31,5 33,3 35,0 37,2 40,2 40,2 46,7 53,0 52,3 52,6
Hochschulreifequote allg. und berufl. 46,4 44,6 45,9 45,4 44,7 46,2 48,7 52,5 52,5 58,8 66,6 63,4 62,5
Abgängerquote 11,6 11,2 11,3 11,0 11,3 10,6 8,8 8,1 8,3 6,9 6,7 4,6 4,9
Abgängerquote ausl. Schüler 15,6 17,1 19,3 20,0 22,0 20,6 18,0 16,1 16,5 12,5 11,0 8,6 12,9