Chancenprofil Thüringen

Allgemeine Informationen

Thüringens Schülerzahlen an allgemeinbildenden Schulen weisen zwischen den Schuljahren 2005/06 und 2010/11 eine rückläufige Tendenz auf, zum Schuljahr 2014/15 steigen sie allerdings wieder an. Das Angebot an Schularten in der Sekundarstufe hingegen ist über die vergangenen Jahre konstant geblieben: Seit 2005/06 hält Thüringen der Schulstatistik zufolge Schularten mit mehreren Bildungsgängen (SmBg), Integrierte Gesamtschulen (IGS, die seit 2011/12 bestehende Thüringer Gemeinschaftsschule gehört hierzu), Gymnasien (Gym) und Waldorfschulen (W) vor. Gleichzeitig bieten immer mehr Schulen in Thüringen ihren Schülerinnen und Schülern die Option auf das Abitur an – der Anteil der Schulen mit Hochschulreifeoption ist über die vergangenen rund zehn Jahre kontinuierlich gewachsen.

Strukturfaktor Kennwert 2005/06 2010/11 2014/15
Demographie Schülerzahl allgemeinbildende Schulen 194.939 172.832 (88,7) 184.425 (106,7)
Schulangebot Schularten** der allgemeinen Schulen (Jgst. 7) SmBg, IGS, Gym, W SmBg, IGS, Gym, W SmBg, IGS, Gym, W
Schulangebot mit Hochschulreifeoption an allen allgemeinen Schularten (Jgst. 7)*** 37,0 42,3 47,2

1. Dimension Integrationskraft

In der Dimension Integrationskraft lässt sich für Thüringen eine positive Entwicklung bezogen auf die Indikatoren zur sonderpädagogischen Förderung nachzeichnen. So sinkt der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit einem sonderpädagogischen Förderbedarf seit 2010/11 deutlich, verbunden mit einem Wechsel von der oberen in die mittlere Ländergruppe. Gleichzeitig besuchen anteilig immer weniger Schülerinnen und Schüler eine Förderschule (Exklusionsquote). Die Exklusionsquote sinkt zudem deutlicher als der Ländermittelwert; das Land wechselt 2011/12 von der unteren in die mittlere Gruppe. Der stetig steigende Inklusionsanteil des Landes geht einher mit einer konsequenten Einordnung in die mittlere Ländergruppe. Bezogen auf die Indikatoren zum schulischen Ganztag zeigt sich für Thüringen ebenfalls eine überwiegend positive Entwicklung der Anteilswerte. Sowohl die Anteile an ganztägig arbeitenden Schulen (Ganztagsschulanteil) als auch die Anteile an Schülerinnen und Schülern, die diese Angebote nutzen (Ganztagsschüleranteil), haben fast konsequent die Verortung des Landes in der oberen Ländergruppe zur Folge, wobei beide Anteile in den letzten Betrachtungsjahren nicht mehr weitersteigen. Der Anteil der Schülerinnen und Schüler, die Angebote des gebundenen Ganztages nutzen, geht mit einem stabilen Wechsel von der oberen in die mittlere Ländergruppe ab 2006/07 einher.

Förderquote 2014/2015: 6,6 Prozent aller Schülerinnen und Schüler weisen einen sonderpädagogischen Förderbedarf auf (Bundeswert 7,0 Prozent).
Ländervergleich: Mittlere Gruppe.

Inklusionsanteil 2014/15: 33,3 Prozent aller Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf besuchen eine allgemeine Schule (Bundeswert: 34,1 Prozent).
Ländervergleich: Mittlere Gruppe.

Exklusionsquote 2014/15: 4,4 Prozent aller Schülerinnen und Schüler besuchen eine Förderschule (Bundeswert: 4,6 Prozent).
Ländervergleich: Mittlere Gruppe.

Ganztagsschulanteil 2014/15: 76,8 Prozent aller Schulen sind Ganztagsschulen (Bundeswert: 59,4 Prozent).
Ländervergleich: Mittlere Gruppe.

Ganztagsschüleranteil 2014/15: 51,3 Prozent aller Schülerinnen und Schüler in der Primar- und Sekundarstufe I besuchen eine Ganztagsschule (Bundeswert: 37,3 Prozent).
Ländervergleich: Obere Gruppe.

Schüleranteil gebundener Ganztag 2014/15: 13,5 Prozent aller Schülerinnen und Schüler besuchen eine Ganztagsschule in gebundener Form (Bundeswert: 17,4 Prozent).
Ländervergleich: Mittlere Gruppe.

1: Aus der Schulreform im Saarland folgen im verwendeten Datensatz des Statistischen Bundesamtes Doppelzählungen einzelner Schulen, nicht aber im Datensatz zum Schulischen Ganztag der KMK. Da seitens der Statistiken nur diese Daten zur Verfügung stehen erhöht sich somit (vorübergehend) die Bezugsgröße „alle Schulen“, was gegenüber den Vorjahren ab dem Schuljahr 2012/13 zu geringeren Ganztagsschulanteilen führt.

Veränderungen der Indikatoren über die Jahre (in Prozent)

Indikator 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014
Förderquote* 8,5 8,8 8,9 9,0 9,2 9,2 9,0 8,4 7,8 7,2 7,0 6,8 6,6
Inklusionsanteil* 9,0 10,1 11,2 11,3 13,3 14,8 16,9 21,1 25,2 27,8 28,7 31,4 33,3
Exklusionsquote* 7,8 7,9 7,9 8,0 8,0 7,8 7,5 6,6 5,8 5,2 5,0 4,6 4,4
Ganztagsschulanteil* 58,7 73,5 73,1 70,0 69,3 75,6 77,8 78,6 77,8 77,2 76,7 76,5 76,8
Ganztagsschüleranteil* 21,4 31,9 34,9 37,8 40,9 48,1 51,7 52,6 52,6 51,0 51,9 51,3 51,3
Schüleranteil geb. Ganztag* 8,8 10,8 10,2 11,1 11,3 12,7 15,2 14,4 12,9 12,7 12,5 13,2 13,5

2. Dimension Durchlässigkeit

In der Dimension Durchlässigkeit gehört Thüringen in allen Indikatoren vorwiegend der mittleren Gruppe an. Dabei steigt das Schulartwechselverhältnis, was gegensätzlich zur Entwicklung im Bundestrend ist. Der Blick auf den Anteil der Schülerinnen und Schüler, die nach der Grundschule auf ein Gymnasium übergehen, zeigt, dass die Werte zwar ab dem mittleren Betrachtungszeitraum nicht mehr steigen, das Land aber dennoch fast konsequent der mittleren Ländergruppe angehört. Auch der Anteil der Jugendlichen mit maximal einem Hauptschulabschluss, die ins Duale System der Berufsausbildung übergehen (Anteil Neuzugänge Duales System), bleibt – mit einer Ausnahme (2009/10 untere Gruppe) – relativ stabil und geht mit einer Zugehörigkeit zur mittleren Gruppe einher.

Übergangsquote Gymnasium 2014/15: 43,5 Prozent der Grundschülerinnen und Grundschüler gehen auf ein Gymnasium über (Bundeswert 44,0 Prozent).
Ländervergleich: Mittlere Gruppe.

Wiederholerquote 2014/15: 2,1 Prozent aller Schülerinnen und Schüler wiederholen in den Jahrgangsstufen sieben bis neun eine Klassenstufe (Bundeswert: 2,7 Prozent).
Ländervergleich: Mittlere Gruppe.

Schulartwechselverhältnis 2014/15: 1:6,4 Auf einen Schüler, der von einer niedrigeren auf eine höhere Schulart wechselt, kommen 6,4 Schülerinnen und Schüler, die von einer höheren auf eine niedrigere Schulart wechseln (Bundeswert: 1:6,0).
Ländervergleich: Mittlere Gruppe.

Anteil Neuzugänge im Dualen System 2014: 41,6 Prozent der Jugendlichen mit maximal einem Hauptschulabschluss, die in den Berufsbildungsbereich übergehen, erhalten einen Ausbildungsplatz im Dualen System (Bundeswert: 40,5 Prozent).
Ländervergleich: Mittlere Gruppe.

Veränderungen der Indikatoren über die Jahre (in Prozent bzw. als Verhältnis)

Indikator 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014
Übergangsquote Gymnasium* 36,4 37,1 40,8 42,0 44,5 45,9 44,8 44,6 44,5 45,1 44,8 43,8 43,5
Wiederholerquote* 3,0 2,8 2,9 3,4 3,1 3,3 2,7 2,5 2,0 1,8 1,8 2,1 2,1
Schulartwechsel-
verhältnis* **
1:3,8 1:3,1 1:4,7 1:3,0 1:2,8 1:2,0 1:3,2 1:4,6 1:4,1 1:4,5 1:6,9 1:5,5 1:6,4
Anteil Neuzugänge Duales System x x x 41,4 41,7 46,1 45,7 41,3 35,9 42,7 44,5 41,4 41,6

3. Dimension Kompetenzförderung

In den Schulleistungsstudien der vergangenen Jahre gelingt Thüringen eine über alle Indikatoren, Schulstufen und getesteten Kompetenzbereiche hinweg überaus häufige Zugehörigkeit zur oberen Ländergruppe. Dabei sind vor allem die regelmäßig hohen Kompetenzmittelwerte der untersuchten Schülerstichproben hervorzuheben. Auffällig sind dabei auch die häufig vergleichsweise geringen Streuungswerte bzw. die geringen und mittleren Differenzen zwischen den oberen und unteren sozialen Herkunftsgruppen hinsichtlich ihrer Kompetenzstände.

Studie Mittelwert Testleistungen Leistungsstreuung (SD) soziale Herkunft und Kompetenz Migration und Kompetenz
Primarstufe Lesekompetenz
IGLU-E 2006
IQB-Ländervergleich 2011
Primarstufe Mathematische Kompetenz
IQB-Ländervergleich 2011
Sekundarstufe Lesekompetenz
PISA-E 2000
PISA-E 2003
PISA-E 2006
IQB-Ländervergleich 2009
IQB-Bildungstrend 2015
Sekundarstufe I Mathematische Kompetenz
PISA-E 2000
PISA-E 2003
PISA-E 2006
IQB-Ländervergleich 2012
obere Gruppe mittlere Gruppe untere Gruppe Daten nicht angegeben

4. Dimension Zertifikatsvergabe

In der Dimension Zertifikatsvergabe gehört Thüringen bezogen auf die Indikatoren zu den Hochschulreifequoten (Hochschulreifequote allg. und Hochschulreifequote allgemein und beruflich) durchgehend zur mittleren Gruppe. Dies betrifft – nach einmaliger Zuordnung zur unteren Gruppe am Beginn der Zeitreihe – auch die Anteile der Abgängerinnen und Abgänger ohne Hauptschulabschluss (Abgängerquote). Zudem beenden in Thüringen vergleichsweise geringe Anteile der ausländischen Schülerinnen und Schüler die allgemeinbildende Schule ohne mindestens einen Hauptschulabschluss – hier wird Thüringen (mit einer Ausnahme 2013) durchgängig der oberen Ländergruppe zugeordnet.

Absolventen mit Hochschulreife allgemein 2014: 35,5 Prozent der Absolventinnen und Absolventen an allgemeinen Schulen, bezogen auf die gleichaltrige Wohnbevölkerung, erwerben die Hochschulreife (Bundeswert 34,1 Prozent).
Ländervergleich: Mittlere Gruppe.

Absolventen mit Hochschulreife allgemein und beruflich 2014: 49,9 Prozent der jungen Erwachsenen, bezogen auf die gleichaltrige Wohnbevölkerung, erreichen die Hochschulreife an allgemeinen oder beruflichen Schulen (Bundeswert: 52,2 Prozent).
Ländervergleich: Mittlere Gruppe.

Abgängerquote 2014: Der Anteil der Schulabgängerinnen und -abgänger ohne einen Hauptschulabschluss, bezogen auf die gleichaltrige Wohnbevölkerung, liegt bei 7,2 Prozent (Bundeswert: 5,8 Prozent).
Ländervergleich: Mittlere Gruppe.

Ausländische Abgänger 2014: Der Anteil von ausländischen Schulabgängerinnen und -abgängern ohne einen Hauptschulschluss, bezogen auf die alterstypische Wohnbevölkerung, beträgt 10,0 Prozent (Bundeswert: 12,9 Prozent).
Ländervergleich: Obere Gruppe.

Veränderungen der Indikatoren über die Jahre (in Prozent)

Indikator 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014
Hochschulreifequote allg. 24,9 26,3 27,1 26,8 27,5 28,3 30,1 31,5 31,0 29,4 34,0 34,7 35,5
Hochschulreifequote allg. und berufl. 34,1 36,8 38,8 38,5 40,1 41,1 43,7 45,3 45,9 43,7 49,5 48,9 49,9
Abgängerquote 11,6 9,4 8,8 7,8 8,5 7,8 8,0 8,1 8,6 7,8 6,8 7,7 7,2
Abgängerquote ausl. Schüler 6,5 5,7 4,8 7,1 7,4 4,8 4,9 5,6 6,0 5,9 6,3 13,0 10,0