Chancenprofil Schleswig-Holstein

Allgemeine Informationen

In Schleswig-Holstein sinkt zwischen den Schuljahren 2005/06 und 2014/15 die Schülerzahl. Im gleichen Zeitraum hat sich die Schullandschaft deutlich gewandelt: 2005/06 zeigt die Statistik Schulangebote in den Schularten Hauptschule (HS), Realschule (RS), Integrierte Gesamtschule (IGS), Gymnasien (Gym) und Waldorfschule (W). 2010/11 sind Schularten mit mehreren Bildungsgängen dazugekommen, 2014/15 gibt es keine Haupt- und Realschulen mehr. Gleichzeitig steigt der Anteil der Schulen, die die Möglichkeit bieten, eine Hochschulzugangsberechtigung zu erwerben: Der Anteil der Schulen mit Hochschulreifeoption nimmt im Beobachtungszeitraum deutlich von 36,1 auf 85,2 Prozent zu.

Strukturfaktor Kennwert 2005/06 2010/11 2014/15
Demographie Schülerzahl allgemeinbildende Schulen 341.539 318.490 (93,3) 303.385 (95,3)
Schulangebot Schularten** der allgemeinen Schulen (Jgst. 7) HS, RS, IGS, Gym, W HS, SmBg, RS, IGS, Gym, W SmBg, IGS, Gym, W
Schulangebot mit Hochschulreifeoption an allen allgemeinen Schularten (Jgst. 7)*** 36,1 67,2 85,2

1. Dimension Integrationskraft

Vergleichsweise erfolgreich ist Schleswig-Holstein, wenn es um die Chancen von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf geht: Ein im Ländervergleich hoher Anteil von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf besucht eine Regelschule (Inklusionsanteil durchweg obere Gruppe) und der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf, der an Förderschulen lernt, geht zurück (Exklusionsquote durchweg obere Gruppe). Dabei entwickeln sich beide Indikatoren positiver als dies in Deutschland im Schnitt (Bundeswert) der Fall ist. Mit Blick auf die Entwicklung des Anteils der Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf an allen Schülerinnen und Schülern folgt Schleswig-Holstein dem bundesweiten Trend zu steigenden Förderquoten, wobei das Land immer jeweils der oberen oder mittleren Ländergruppe zugeordnet wird. In Bezug auf die Indikatoren zum schulischen Ganztag wird das Land durchweg in der mittleren bzw. unteren Gruppe verortet. Insbesondere der Ganztagsschulanteil steigt deutlicher als der Ländermittelwert, was ab 2005/06 zum Wechsel und Verbleib in der mittleren Gruppe führt. Blickt man auf die Indikatoren zur Nutzung ganztägiger Angebote (Ganztagsschüleranteil und Schüleranteil gebundener Ganztag), kann ebenfalls ein Anstieg der Anteilswerte festgestellt werden, allerdings in geringerem Maße als der Ländermittelwert.

Förderquote 2014/2015: 6,2 Prozent aller Schülerinnen und Schüler weisen einen sonderpädagogischen Förderbedarf auf (Bundeswert 7,0 Prozent).
Ländervergleich: Obere Gruppe.

Inklusionsanteil 2014/15: 63,4 Prozent aller Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf besuchen eine allgemeine Schule (Bundeswert: 34,1 Prozent).
Ländervergleich: Obere Gruppe.

Exklusionsquote 2014/15: 2,3 Prozent aller Schülerinnen und Schüler besuchen eine Förderschule (Bundeswert: 4,6 Prozent).
Ländervergleich: Obere Gruppe.

Ganztagsschulanteil 2014/15: 61,8 Prozent aller Schulen sind Ganztagsschulen (Bundeswert: 59,4 Prozent).
Ländervergleich: Mittlere Gruppe.

Ganztagsschüleranteil 2014/15: 25,6 Prozent aller Schülerinnen und Schüler in der Primar- und Sekundarstufe I besuchen eine Ganztagsschule (Bundeswert: 37,3 Prozent).
Ländervergleich: Untere Gruppe.

Schüleranteil gebundener Ganztag 2014/15: 5,3 Prozent aller Schülerinnen und Schüler besuchen eine Ganztagsschule in gebundener Form (Bundeswert: 17,4 Prozent).
Ländervergleich: Untere Gruppe.

1: Aus der Schulreform im Saarland folgen im verwendeten Datensatz des Statistischen Bundesamtes Doppelzählungen einzelner Schulen, nicht aber im Datensatz zum Schulischen Ganztag der KMK. Da seitens der Statistiken nur diese Daten zur Verfügung stehen erhöht sich somit (vorübergehend) die Bezugsgröße „alle Schulen“, was gegenüber den Vorjahren ab dem Schuljahr 2012/13 zu geringeren Ganztagsschulanteilen führt.

Veränderungen der Indikatoren über die Jahre (in Prozent)

Indikator 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014
Förderquote* 5,3 5,2 5,0 5,1 5,2 5,3 5,3 5,4 5,6 5,8 5,9 6,2 6,2
Inklusionsanteil* 26,0 26,6 25,6 28,1 32,2 36,7 40,9 45,5 49,9 54,1 57,5 60,5 63,4
Exklusionsquote* 3,9 3,8 3,7 3,7 3,5 3,3 3,1 2,9 2,8 2,7 2,5 2,4 2,3
Ganztagsschulanteil* 1,5 4,1 10,6 23,0 29,4 37,6 29,2 50,7 56,3 59,8 60,9 61,1 61,8
Ganztagsschüleranteil* 3,6 4,4 8,0 13,4 16,7 19,0 19,7 19,6 21,6 22,7 23,7 24,8 25,6
Schüleranteil geb. Ganztag* 3,6 3,7 4,0 4,0 4,1 2,9 3,0 3,4 3,9 4,2 4,6 5,2 5,3

2. Dimension Durchlässigkeit

Vergleichsweise wenig Grundschülerinnen und Grundschüler wechseln in Schleswig-Holstein auf das Gymnasium über: Der Anteil der Grundschülerinnen und Grundschüler, der in Schleswig-Holstein auf ein Gymnasium wechselt, ist vergleichsweise gering: Auch wenn die entsprechenden Übergangsquoten steigen, bleibt das Land hier hinter dem Ländermittelwert zurück und zählt fast durchgängig zur unteren Gruppe. Bezogen auf die Schulartwechselverhältnisse und auf die Anteile der Schülerinnen und Schüler, die mit höchstens Hauptschulabschluss eine Berufsausbildung im Dualen System beginnen (Anteil Neuzugänge Duales System), zeigen sich Wechsel der Gruppenzugehörigkeit zwischen unterer und mittlerer Ländergruppe. Die Anteile der Neuzugänge in das Duale System mit maximal Hauptschulabschluss sinken im Zeitreihenverlauf deutlicher als der Ländermittelwert, was am Zeitreihenende zum Wechsel in die untere Ländergruppe führt. Hinsichtlich der Wiederholerquote führen deutlich sinkende Quoten zwischenzeitlich zur Eingruppierung in die obere Ländergruppe. Allerdings kann dieser positive Trend nicht über den gesamten Zeitreihenverlauf verstetigt werden, sodass das Land im letzten Betrachtungsjahr wieder in die mittlere Gruppe wechselt.

Übergangsquote Gymnasium 2014/15: 40,7 Prozent der Grundschülerinnen und Grundschüler gehen auf ein Gymnasium über (Bundeswert 44,0 Prozent).
Ländervergleich: Untere Gruppe.

Wiederholerquote 2014/15: 2,0 Prozent aller Schülerinnen und Schüler wiederholen in den Jahrgangsstufen sieben bis neun eine Klassenstufe (Bundeswert: 2,7 Prozent).
Ländervergleich: Mittlere Gruppe.

Schulartwechselverhältnis 2014/15: 1:6,1 Auf einen Schüler, der von einer niedrigeren auf eine höhere Schulart wechselt, kommen 6,1 Schülerinnen und Schüler, die von einer höheren auf eine niedrigere Schulart wechseln (Bundeswert: 1:6,0).
Ländervergleich: Mittlere Gruppe.

Anteil Neuzugänge im Dualen System 2014: 35,8 Prozent der Jugendlichen mit maximal einem Hauptschulabschluss, die in den Berufsbildungsbereich übergehen, erhalten einen Ausbildungsplatz im Dualen System (Bundeswert: 40,5 Prozent).
Ländervergleich: Untere Gruppe.

Veränderungen der Indikatoren über die Jahre (in Prozent bzw. als Verhältnis)

Indikator 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014
Übergangsquote Gymnasium* 34,7 34,7 34,6 36,7 39,0 41,2 39,1 38,7 38,4 39,5 39,3 39,8 40,7
Wiederholerquote* 4,2 4,0 3,8 3,5 3,3 3,0 2,6 1,7 1,7 1,7 1,5 1,7 2,0
Schulartwechsel-
verhältnis* **
1:5,5 1:12,4 1:10,5 1:11,4 1:7,1 1:4,9 1:4,1 1:5,0 1:6,3 1:7,7 1:6,8 1:7,8 1:6,1
Anteil Neuzugänge Duales System x x x 44,0 44,7 44,0 44,9 42,4 30,6 33,5 38,3 37,0 35,8

3. Dimension Kompetenzförderung

Für Schleswig-Holstein lässt sich hinsichtlich der Kompetenzförderung seines Schulsystems kein eindeutiges Bild zeichnen. Auffällig sind die insgesamt häufigen Zuordnungen zur mittleren Ländergruppe. Zudem weisen die Ergebnisse der getesteten Schülerinnen und Schüler bei den gesichteten Leistungsvergleichsstudien mehrfach auf relativ geringe Kompetenzunterschiede zwischen Schülerinnen und Schülern mit und ohne Migrationshintergrund hin, so hier Daten vorlagen.

Studie Mittelwert Testleistungen Leistungsstreuung (SD) soziale Herkunft und Kompetenz Migration und Kompetenz
Primarstufe Lesekompetenz
IGLU-E 2006
IQB-Ländervergleich 2011
Primarstufe Mathematische Kompetenz
IQB-Ländervergleich 2011
Sekundarstufe Lesekompetenz
PISA-E 2000
PISA-E 2003
PISA-E 2006
IQB-Ländervergleich 2009
IQB-Bildungstrend 2015
Sekundarstufe I Mathematische Kompetenz
PISA-E 2000
PISA-E 2003
PISA-E 2006
IQB-Ländervergleich 2012
obere Gruppe mittlere Gruppe untere Gruppe Daten nicht angegeben

4. Dimension Zertifikatsvergabe

In der Dimension Zertifikatsvergabe zählt Schleswig-Holstein meist zur mittleren Gruppe, hinsichtlich des Anteils der Absolventinnen und Absolventen mit Hochschulreife aus den allgemeinbildenden und beruflichen Schulen und der Abgängerquote sogar durchgehend. Bezogen auf die weiteren Indikatoren in dieser Dimension verändert sich die Gruppenzugehörigkeit am Zeitreihenende und Schleswig-Holstein wird der unteren Gruppe zugeordnet. Auffällig: Die Quote der ausländischen Schülerinnen und Schüler, die die Schule ohne einen Hauptschulabschluss beenden, sinkt zunächst bei schwankenden Werten, um zum Ende der Zeitreihe wieder anzusteigen, was 2013 mit einem Wechsel in die untere Gruppe einhergeht.

Absolventen mit Hochschulreife allgemein 2014: 30,8 Prozent der Absolventinnen und Absolventen an allgemeinen Schulen, bezogen auf die gleichaltrige Wohnbevölkerung, erwerben die Hochschulreife (Bundeswert 34,1 Prozent).
Ländervergleich: Untere Gruppe.

Absolventen mit Hochschulreife allgemein und beruflich 2014: 46,1 Prozent der jungen Erwachsenen, bezogen auf die gleichaltrige Wohnbevölkerung, erreichen die Hochschulreife an allgemeinen oder beruflichen Schulen (Bundeswert: 52,2 Prozent).
Ländervergleich: Mittlere Gruppe.

Abgängerquote 2014: Der Anteil der Schulabgängerinnen und -abgänger ohne einen Hauptschulabschluss, bezogen auf die gleichaltrige Wohnbevölkerung, liegt bei 7,6 Prozent (Bundeswert: 5,8 Prozent).
Ländervergleich: Mittlere Gruppe.

Ausländische Abgänger 2014: Der Anteil von ausländischen Schulabgängerinnen und -abgängern ohne einen Hauptschulschluss, bezogen auf die alterstypische Wohnbevölkerung, beträgt 14,9 Prozent (Bundeswert: 12,9 Prozent).
Ländervergleich: Untere Gruppe.

Veränderungen der Indikatoren über die Jahre (in Prozent)

Indikator 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014
Hochschulreifequote allg. 22,5 22,5 23,5 24,0 24,3 25,9 25,8 27,4 30,1 28,1 30,4 30,1 30,8
Hochschulreifequote allg. und berufl. 35,6 35,7 38,3 38,3 40,5 41,3 41,1 43,5 48,3 47,4 50,7 50,4 46,1
Abgängerquote 10,8 9,4 9,5 9,5 9,6 9,1 8,3 7,0 7,1 7,0 7,0 7,3 7,6
Abgängerquote ausl. Schüler 14,2 14,1 15,2 14,9 17,7 16,3 14,1 11,9 12,9 11,2 12,6 14,2 14,9